Die #blacklivesmatter-Bewegungen zeigen, wie weit wahre Solidarität und die Heuchlerei im World Wide Web auseinander gehen. Gefühlt jeder solidarisiert aktuell mit den schwarzen Mitbürgern. Leider geschieht dies allerdings nur selten im wahren Leben. Beginnen möchte ich mit einem Beispiel, dass uns unmissverständlich zeigte, dass die Zweiklassengesellschaft noch immer überall akut ist.

November 2019 - Franschhoeck, Südafrika

Es war ein heißer Sommertag in einem südafrikanischen Weingut im Jahr 2019 als die Kluft zwischen Schwarz und Weiß deutlicher nicht ausgedrückt werden konnte. Petra und ich saßen auf der Terrasse eines bekannten Weinguts in der Gemeinde Stellenbosch.

In der ganzen Westkap Region wimmelt es nur so von jungen Influencerinnen, die sich in alternativen Gewändern vor monumentalen Landschaften ablichten lassen. Meist stammen diese jungen Damen aus gut situierten Verhältnissen in der westlichen Welt, fernab von Not und Elend. In Südafrika hingegen liegen arm und reich oder meist synonym weiß und schwarz ganz nah beieinander. Meist nur durch eine hohe Betonmauer und einige Meter Stacheldraht getrennt.

Jedenfalls fielen uns zwei junge Mädels in ihrem alternativen Lolita-Style auf, die munter Fotoserie für Fotoserie abspulten. Eigentlich nichts besonderes. Wäre da nicht die eine Situation gewesen, dass es weit über 30 Grad waren und sie von einem Chauffeur gebracht wurden. Und genau hier beginnt nun das Schauspiel, was sehr verstörend wirkte.

Apartheid 2.0

Nebenbei beobachteten wir, dass einige Minuten zuvor die beiden weißen Damen mit einem schwarzen Van gebracht wurden. Anschließend spulten die beiden eben ihre Fotosession ab. Es war unerträglich heiß in der Sonne. Nach etlichen Minuten fiel der einen Dame sichtlich etwas ein, was sie wohl vergaß.

Sie verschwand kurzerhand im Restaurant und brachte ein Glas Leitungswasser zum schwarzen Van. 

Die Tür öffnete sich und ihr schwarzer Fahrer, sichtlich leidend unter der Hitze bekam doch tatsächlich von der einen Dame 200 Milliliter Leitungswasser gereicht. Der Hund am Nachbartisch durfte wenigstens mit am Tisch im Schatten sitzen…

Hashtags für das reine Gewissen

Als vor wenigen Wochen die Blacklivesmatter-Bewegungen das Corona-Sommerloch füllten, waren sie plötzlich wieder an erster Stelle. Influencer, Promis und gut genährte Politiker, alle fordern plötzlich mehr Rechte für schwarze Mitbürger. Eben die Personen, die sich vermutlich kurz zuvor nur darum sorgten, dass ihr Smartphone das neueste Update überstehen würde. Wahre Sorgen eben im Jahre 2020, woanders hingegen kämpft man gegen Hunger und Krankheiten.

Plötzlich waren Abstandsregeln obsolet, denn schließlich überträgt sich Corona wohl nicht, wenn man für das richtige demonstriert.

Gefakte Demo-Selfies

Nicht schlimm genug, dass derzeit Fremdenhass und Corona das Alltagsgeschehen in den Medien widerspiegeln, es gibt tatsächlich Personen, die daraus noch persönlichen Profit schlagen wollen. Gerade diese Menschen, die sich sonst nur auf der Sonnenseite in ihren Fotowelten bewegen, setzen sich plötzlich für Menschenrechte und gegen Polizeigewalt ein. Ein prominentes Beispiel unter vielen eines solchen Vorfalls kannst Du Dir hier anschauen. 

Absurde Früchte dieses Medienhypes

Der farbige mehrfache Formel1-Weltmeister Lewis Hamilton engagierte sich vermummt auf Londons Straßen während der Corona-Lockdowns. Dank der Maskenpflicht war dies auch gut möglich, soweit so gut. Plötzlich kommen aber absurde Forderungen. So forderte er eine Mindestquote für schwarze Formel1-Rennfahrer. Ok?! Was soll das bringen? Motorsport ist eben in Ländern mit mehrheitlich weißer Bevölkerung populär, mathematisch gesehen also völlig nachvollziehbar. Es käme umgekehrt ja auch keiner auf die Idee, eine Mindestquote für Weiße bei Marathonläufen zu fordern?!

Wie eine Reismarke plötzlich ins Kreuzfeuer geriet

Uncle Ben’s – Plötzlich ein Skandal. Der schwarze Mann im Butleroutfit, der den wohl besten Reis des Landes anbaute, soll nun aus den Regalen verschwinden. Dabei steht Uncle Ben’s Reis doch für Qualität?! Laut dem Markeninhaber soll Uncle Ben tatsächlich in Texas gelebt haben. Ein Mann afroamerikanischer Abstammung, der durch seine Sorgfalt den besten Reis der Region anbaute. Was ist also daran verwerflich, diesen Mann auf den Verpackungen einer Reismarke abzubilden?

Eigentlich erst einmal nichts, betrachtet man jedoch das „Uncle“, steht tatsächlich eine Diskriminierung im Raum. Für afrikanisch stämmige Bedienstete in den Südstaaten war es nämlich untersagt, mit Mister oder Madam angesprochen zu werden. Stattdessen musste Uncle und Aunt verwendet werden.

Doch warum nennt man ihn nun nicht einfach Mister Ben’s? Zieht ihm den Butleranzug aus und stellt ihn auf die gleiche Stufe wie weiße Werbeikonen? – So ganz ist dies nun nicht nachvollziehbar, denn Mister Ben kann immer noch stolz auf seinen Reis sein. Stattdessen möchte der Markeninhaber laut Medienberichten komplett die Marke umgestalten.

In Deutschland kennt man ähnliche Diskussionen rund um das Thema Mohrenkopf und Zigeunerschnitzel.

Absurdes Verhalten auf Reisen

Gerade in Afrika sieht man immer wieder, wie reiche weiße Touristen durch die Straßen ziehen und ihr schwarzer „Diener“ mit dutzenden Einkaufstüten beladen hinterherläuft. Betrachten wir genau diesen Umstand näher. Gerade ärmere farbige Einheimische, teilweise in selbst genähten Uniformen, warten an Flughäfen um Dein Gepäck zum Taxi zu tragen, natürlich gegen ein Trinkgeld. Und dieses Trinkgeld ernährt mitunter die ganze Familie. 

Es ist jedoch ein Unterschied, ob Du diese Person als Dienstleister oder billigen Lastenesel betrachtest!

Wie, dahin traust Du Dich hin?

Was meinst Du, wie oft wir dies hören? Gerade die Personen, die sich in Gesprächen oder im Internet so tolerant und liberal geben, sind die, die uns von Reisen in ursprüngliche Länder abraten. Genau die, die die Straßenseite wechseln, wenn anders aussehende den Weg kreuzen würden…

Lass das Posten und tu was!

Sei ein guter Mensch, kein Gutmensch! Tu etwas für die Gleichberechtigung aller, integriere sie in unseren Alltag, lerne auch von ihnen und hör auf, Dich im Internet zu profilieren, in dem Du das Profilbild durch einen schwarzen Hintergrund ersetzt. Fahr in die Welt, schau es Dir vor Ort an. Durch Deine Reiseausgaben vor Ort unterstützt Du die dortige Bevölkerung mehr als nur irgendetwas zu posten.

Egal ob im Berufs- oder Privatleben, unterstütze alle willigen Menschen, denn jeder hat das Recht auf eine Chance.