Ein ganz besonderer Geheimtipp für Lissabon ist der Cemitério dos Prazeres – Friedhof des Vergnügens. Ein bestimmt nicht alltäglicher Name für einen Ort der Trauer, doch eigentlich hat der Name nichts mit dem heutigen Friedhof zu tun. Denn bis zur Eröffnung des Friedhofes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war dieser Ort ein Park des Vergnügens. Ein typischer Stadtpark, in dem man schon damals Feste feierte, seine Freizeit verbrachte und sich mit seinen Liebsten traf.

Kein klassischer Touristenort

Natürlich ist der Cemitério dos Prazeres ein echter Friedhof, daher sollte man auch wissen, wie man sich dort zu benehmen hat. Auch wenn die Toten teilweise offen in ihren Gruften liegen, sollte man die Totenruhe respektieren. Das ganze Gelände hat ein wenig das Feeling eines Lost Places. Zwar ist der Friedhof immer noch „in Betrieb“, die Gräber sind meist aber schon sehr sehr alt.

Teils sind die alten Gruften seit Jahrzehnten dem Zerfall überlassen. Oft so stark, dass sowohl Türen, Fenster als auch die Särge selbst stark verfallen sind. Die sommerliche Hitze tut ihr übriges dazu. Auf der anderen Seite gibt es moderne Marmorgruften in modernen Designs für die oberen Lissaboner. 

Eine tolle Aussicht

Neben der Faszination für stilvolle Detail verliebte Gräber lockt vor allem die atemberaubende Sicht über den Tejo, die Ponte 25 de Abril und der 110 Meter hohen Jesus Statue Christo Rei. Gleich drei Wahrzeichen von Lissabon auf einem Fotomotiv. Der Friedhof ist zwar übersichtlich, dennoch nicht klein. Man sollte mindestens eine halbe Stunde einplanen. 

In der Regel gehört der Cemitério dos Prazeres zu den ruhigeren Plätzen in Lissabon. Das sollte auch so bleiben, denn es ist immer noch ein Ort der Trauer. Ein Besuch ist trotzdem lohnenswert. 

Großartige Steinmetzkunst

Solch einen Friedhof findet man in Deutschland nur ganz selten. Man kann nur erahnen, welch Reichtum die jeweiligen Familien besessen haben mochten. Selbst die modernen Bauten sind aus hochwertigen Materialien. 

Viele der Gruften sind mit einfachen Holzplatten verschlossen. Die originale Tür ist wohl bereits verfallen. Andere Gruften haben sogar Fenster und schwere Eisentore. Selten ist auch ein „normales“ Grab dazwischen. 

Auch Tote haben Haustiere

Es klingt ziemlich absurd, wenn man hört, da wohnt eine Katze auf oder sogar im Sarg. Genau dies ist aber keine Seltenheit. Munter toben vereinzelt gut genährte Katzen auf den Toten herum und beanspruchen die Gruften für sich. Also nicht erschrecken, wenn aus einer Gruft plötzlich eine Miezekatze springt.   

Viel merkwürdiger ist es allerdings noch, dass anscheinend jede Gruft eine eigene Mülltonne besitzt, die auch regelmäßig geleert wird. So richtig weiß ich nicht, was bei einem Grab ohne Blumenschmuck oder sonstige Abfallverursacher da regelmäßig entsorgt werden muss. 

Wie kommst Du dahin?

Der Cemitério dos Prazeres ist von Oktober bis April von 9 bis 17 Uhr und von Mai bis September von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Am Haupteingang befinden sich Toiletten und ein Friedhofswärter behält Überblick über die Besucher. 

Mit der Straßenbahn Linie 28E:

Die Linie 28E gehört zum Pflichtprogramm jedes Lissabon-Urlaubes. Sie verkehrt normal täglich tagsüber. Eine Fahrt kostet derzeit 3,- €, Tickets gibt es beim Fahrer. An den Endhaltepunkten muss man erst einmal wieder aussteigen und vorne wieder mit neuem Ticket einsteigen. Alternativ gibt es auch Zeitkarten, die auch in Bus und Bahn gültig sind. Die Linie fährt immer zwischen den beiden Endstationen „Martim Moniz“ im Osten der Baixa und direkt vor dem Friedhof „Prazeres“.

Mit dem Auto:

Es gibt einige öffentliche Parkplätze im Umkreis des Friedhofes. Da dort die Parkgebühren günstiger sind als in der Innenstadt, könnte es auch ein idealer Ausgangspunkt sein, um mit der Straßenbahn in die Innenstadt zu fahren.  

Adresse: Praça São João Bosco 568, 1350-295 Lisboa, Portugal

Das Friedhofsgelände selbst darf nicht befahren werden. Eintritt gibt es natürlich nicht. Lass keine Wertsachen im Auto zurück, Lissabon ist zwar sicher, Taschendiebstähle gehören aber leider zum Alltag.