Dass viele neue Lifestyle-Trends aus Skandinavien kommen und von dort aus ihren Weg zu uns finden, ist ja kein ganz neues Phänomen. Schließlich haben uns die Nordeuropäer statistisch gesehen eine ganze Menge voraus und gehören nachgewiesenermaßen zu den glücklichsten Menschen der Welt. Irgendetwas scheinen sie also richtig zu machen, die da oben, im hohen Norden. Mal ehrlich, ein wenig mehr Bullerbü hättest Du doch bestimmt auch gerne in Deinem Leben. Denkst Du jetzt an idyllische rote Blockhäuser, Sommernachtsfeste auf blühenden Wiesen und gutes Essen? Ich auch! Mensch, was machen denn diese Skandinavier eigentlich so anders als wir?  

In den letzten Monaten geisterte ein Begriff häufig durch Blogs und Zeitschriften: Hygge. Gut dass ich dieses Wort, dass irgendwie nach Schluckauf klingt, hier schreiben kann und nicht aussprechen muss. Selbst die Dänen sind sich bei der Aussprache nicht ganz einig. „Hiege“ oder „Hügge“. Naja, dieser Trend aus Dänemark verzauberte uns auf jeden Fall mit Gemütlichkeit, Achtsamkeit und der Lust auf das einfache Leben. Doch kaum haben wir uns daran gewöhnt und ihn uns quasi „zu eigen“ gemacht, schon taucht der neueste Trend am Lifestyle-Himmel auf. Wer soll da noch durchblicken?

So kuschelig war Hygge

Für das dänische Wort „hygge“ gibt es eigentlich keine direkte, wörtliche Übersetzung. Dahinter steckt eine Lebensphilosophie, eine Grundeinstellung, mit der die Dänen das Leben nehmen, wie es kommt und es dennoch genießen. Gemütlichkeit, Wärme, Zufriedenheit, Freunde, Familie – all dies macht den Begriff Hygge aus. Es ist ein Lifestyle Trend, der uns in unserem hektischen Alltag die Schönheit der kleinen Dinge wieder bewusst macht. Mehr Zeit mit Freunden und Familie verbringen, gutes Essen genießen, eine Fahrradtour durch die Sonne machen, einen gemütlichen Abend vor dem Kamin verbringen – diese kleinen Dinge zeigen uns, dass das Leben schön, eben „hyggelig“ ist. So lernte die ganze Welt von den Dänen, wie Gemütlichkeit und Zufriedenheit funktionieren. Doch kaum habe ich mich mit diesem Trend angefreundet, gibt es schon einen neuen…

Lagom - der neue Lifestyle Trend aus Schweden

Diesmal sind es die Schweden, die uns zeigen wollen, wie ein glückliches Leben funktioniert, mal wieder mit einem Begriff, für den es im Deutschen keine wörtliche Übersetzung gibt. Am ehesten bedeutet Lagom so etwas wie „das richtige Maß“. Klingt erstmal abstrakt, ich weiß. Gemeint ist, dass man im Leben in allen Bereichen die Mitte zwischen „zu viel“ und „zu wenig“ finden sollte. Damit wendet sich dieser Trend gegen jede Form von Exzess und Übertreibung, was uns zu mehr Harmonie und innerem Gleichgewicht führen soll. Mit der Lust am maßvollen Leben und dem Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit und Achtsamkeit im Alltag passt dieser schwedische Lebensstil perfekt in unsere Zeit. Wer das Gleichgewicht zwischen Überfluss und Bescheidenheit, Stress und Entspannung, Arbeit und Freizeit, Alleinsein und sozialem Miteinander hält, dem verspricht Lagom ein zufriedeneres, ausgeglichenes Leben.

Klingt gut - und wie mache ich das?

Das Lagom-Konzept rät grundsätzlich zu Sparsamkeit, zum Konsum von fair und nachhaltig produzierten Waren und zu einem gesunden und bewussten Lebenswandel. Mittlerweile bezieht es sich allerdings nicht mehr nur auf die innere Einstellung, mit der wir durchs Leben gehen, sondern wird auch von der Mode-, der Beauty- und sogar der Möbelindustrie aufgegriffen.

Was ihren Kleidungsstil betrifft, leben die Schweden nach dem Motto „weniger ist mehr“. Sie lieben schlichte, lockere Kleidung, ohne dass diese damit automatisch unmodisch sein muss. Qualitativ hochwertige, aber praktische Kleidungsstücke haben schlicht einen höheren Stellenwert, als das perfekt zusammengestellte Outfit. Gleiches gilt für den Schönheitsbereich. Auch hier geht es nicht darum, Reichtum und Eleganz durch ein perfektes Make-Up zu präsentieren, sondern mit Hilfe von einigen wenigen, aber hochwertigen Produkten die individuelle Schönheit zum Vorschein zu bringen. Für die Einrichtung der eigenen Wohnung bedeutet das, eher wenige, dafür ausgesuchte Stücke zu wählen, die eine hohe emotionale Bedeutung haben. Die Räume sollen nicht überladen, sondern einladend gemütlich und gleichzeitig luftig wirken. Selbst Ikea hat dieses Konzept schon für sich entdeckt und bietet eine eigene Serie dazu an, die besonders energiefreundlich produziert wurde.

Mein heutiges Outfit passt zu dem neuen Trend. Alle Teile bekleiden mich, im wahrsten Sinne des Wortes, seit Jahren. Diese Info, auch wenn ich damit Sparsamkeit demonstriere, ist doch eher uninteressant für Dich. Viel spannender finde ich, nach was ich seit über 2 Jahren, immer mal wieder im Netz, suche. Die Idee, das dahinterstehende Konzept fasziniert mich und ist aktueller denn je. Durch und durch Lagom, würde ich sagen. Ernsthaft, ich könnte sofort in ein solches Haus einziehen! Tiny House… die Rückbesinnung auf das Wesentliche. 

Wahrscheinlich ist es normal, dass ein Lifestyle Trend einen anderen in rascher Abfolge ablöst. Ich finde jedoch, dass die Hygge- und Lagom-Konzepte sich wunderbar ergänzen – und lasse mich darum gerne von den Dänen und den Schweden inspirieren! 

Alles Liebe
Petra

PS: Nach Bullerbü geht´s übrigens hier (klick)