Neulich bin ich über einen gehässigen Kommentar im Web gestolpert. Der Blog, den ich aus erkennbaren Gründen jetzt nicht nennen möchte, warb ein Produkt an.
Der Kommentar beleidigt den Blogschreiber als „gierig“. Das zu sehen, hat mich säuerlich gestimmt, denn ich kann einfach nicht verstehen, weshalb jemand aufgrund seiner Werbung niedergemacht wird. Darüber möchte ich heute schreiben. Darüber, weshalb die Welt so ist, wie sie ist und Kooperationen teilweise so in den Dreck ziehen muss. Ist das wirklich von Nöten?

   Muss der Bloggende zur Verantwortung gezogen werden, wenn er ein Produkt bewirbt?

Vorwurf Profitgier

In der heutigen Zeit sind Blogger und Influencer doch überhaupt gar nicht mehr wegzudenken. Wir verbringen unsere Zeit selbstverständlich im World Wide Web. Und hier sind wir nun mal auf der Suche nach Leuten, die wir gerne kennenlernen würden, nach Beiträgen, die unser Interesse wecken und eben auch nach Produkten, die unseren Alltag bereichern können. Bloggende eröffnen uns Zugang zu einer Welt, die wir bisher noch nicht betreten konnten. Wir erfahren von Produkten, die wir sonst nie kennengelernt hätten.

Und wer hätte es gedacht: Manchmal werden diese Produkte den Blogbesitzern kostenlos zur Verfügung gestellt, mehr noch, die Blogbesitzer werden sogar dafür bezahlt. Skandalös! 
Werden die Blogleser etwa ausgenutzt? Von den „bösen, skrupellosen, geldgierigen“ Schreiberlingen der Blogs?

Ich denke, dass ein engstirniger Blick darauf, dass der Bloggende mit seinen Lesern Profit macht, durchaus dazu führen kann, dass die Profitgier des Bloggers an den Pranger gestellt wird. Doch betrachten wir es doch einmal von einer anderen Seite. 

Ein Blogger, der – teilweise täglich – viel Zeit in seinen Blog investiert, sollte doch auch das Recht darauf haben, auf seiner eigenen Plattform (!) das zu veröffentlichen, was er veröffentlichen möchte. Lässt er sich auf die Zusammenarbeit mit einer Firma ein, kann man sich bei einem guten, hochqualitativen Blog auch darauf verlassen, dass dieser mit Herzblut ein Produkt anwirbt und auch wirklich daran glaubt, dass das angeworbene Produkt seine Leser in ihrem Alltag unterstützen und erleichtern könnte.

Denn es ist doch so: Jemand, der einen Blog besitzt, der teilt auf ihm Inhalte mit seinen Lesern, von denen er überzeugt ist. Inhalte, die ihn selbst begeistern. Aber er möchte seinen Lesern doch keineswegs das Geld aus der Tasche ziehen! Er möchte sie dazu inspirieren, stets die Augen nach neuen Produkten offenzuhalten und ihnen dabei jene präsentieren, welche seinen Alltag verbessern.

DIE SCHWARZEN SCHAFE
Natürlich gibt es auch andere Blogbesitzer. Jene, die sich tatsächlich aus purer Geldgier auf Kooperationen mit Firmen einlassen. Sicherlich gab es auch schon den ein oder anderen unter euch, der gerade diesen Beitrag liest, die auf solche miesen Praktiken schon hereingefallen sind. 

Doch die „schwarzen Schafe“ unserer Branche sind leichter enttarnt, als sie denken, gar gucken können.

Ein angepinseltes Grinsen bei der Vorstellung des Produkts wie auch knappe Begeisterung können verräterische Indikatoren dafür sein, dass ein Bloggender nicht wirklich hinter dem steht, was er da zu vermarkten versucht. Hier muss man natürlich eine klare Grenze ziehen. Denn solche Produktanwerbungen haben nichts mehr mit Lesernähe oder damit zu tun, dass der Bloggende das Beste für seine Leser will.

Auf der Videoplattform YouTube ist es um einiges einfacher als auf einem Blog, die Werbung geschickt ins Video zu mogeln. Das kleine „P“, welches in der Ecke eingeblendet wird – „unterstützt durch Produktplatzierung“ – fällt vielen Zuschauern nicht einmal auf. So vermitteln die Influencer gekonnt ihre Produkte. Ohne, dass der Zuschauer etwas davon merkt!
Und selbst wenn, reagieren sie meist nicht genervt oder sauer – sondern genauso, wie es sich der Werbende erhofft: Er nimmt das Produkt positiv auf, verspricht es auszuprobieren oder an seine Freunde zu empfehlen. 

Auf Blogs lassen sich Produktplatzierungen zunächst einmal nicht so einfach verstecken. Sie sind offensichtlicher. Schon am Anfang des Beitrags wird darauf hingewiesen, dass es sich um eine Werbeanzeige handelt. Das ist auch gut so. Und im übrigen…

Jeder, der als Privatperson ein Produkt in die Kamera hält, macht Werbung. Ausnahmslos! Und sei es nur ein Bild von einer leckeren Mahlzeit, welches auf Social Media gepostet wird. 

ICH FINDE ES SCHADE,  

dass Blogbesitzer so häufig in die Mangel genommen werden. Auch Blogger haben das Recht darauf, Produkte, an die sie glauben, zu verbreiten. Der Vorwurf der Profitgier ist mir dabei – wie schon angesprochen – unverständlich. Letzten Endes verfolgen wir ohnehin nur jene Blogs, welche wir wirklich im Laufe der Zeit lieben gelernt haben. Ich habe grundsätzlich nur positive Erfahrungen damit gemacht, meinen Lieblingsbloggern zu vertrauen. Dabei folgte ich ebenjenen Tipps und Hinweisen, die mich überzeugten. Und nie habe ich bereut, auf jemand anderen gehört zu haben.

Und wenn wir ehrlich sind: Stört es uns wirklich, wenn ein vielversprechendes Produkt vorgestellt wird?!?

Also ich habe damit keinerlei Probleme. Wenn das Produkt mich nicht anspricht, muss ich es ja auch nicht käuflich erwerben. Ich kann den Beitrag unkommentiert lassen oder einfach weiterstöbern, ohne meinen Alltag vom Blogbeitrag affektieren zu lassen. Der Blogbeitrag zwingt uns nicht, ihn zu lesen, ebenso wenig wie er uns dazu zwingt, das angeworbene Produkt zu kaufen. Aber manchmal gibt es ja tatsächlich Produkte, für die es sich lohnt, Geld in die Hand zu nehmen. Wir Blogbesitzer investieren viel  kostbare Zeit in den Blog und somit haben wir das Recht, Produkte, welche uns überzeugen, auch zu bewerben. Auf Blogs werden doch häufig Produkte beworben, auf die wir ohne den Artikel niemals aufmerksam geworden wären – da es sich nicht selten um nur wenig bis gar nicht beworbene Produkte handelt.

Kooperationen sind also nicht immer schlecht, sondern können auch Vorteile haben. Das dürfen wir nicht vergessen, wenn wir uns mal wieder über ein Produkt ärgern, welches uns so gar nicht interessiert.

Mein Tipp für alle, die wie die Tiere über Werbebeiträge herfallen: Einfach Augen zu und weiterscrollen. Oder alternativ – sich weiterhin auf nichtssagende TV-Werbung & Co. verlassen!