Eigentlich wären wir im vergangenen Juni erneut im höchsten Restaurant der USA im Stratosphere Tower Las Vegas gewesen. Bekannterweise wurde daraus nichts. Trotz Corona kann man dennoch sicher und gesund hoch hinaus. Ein Geheimtipp, wer gerne die Skyline von oben betrachtet, ist der Fernmeldeturm in Mannheim, direkt am Neckar.

Warum gerade nach Mannheim?

Der Sommer 2020 stand eigentlich unter dem Stern einer USA-Rundreise durch Nevada, Utah, Kalifornien und Arizona. Doch acht Wochen zuvor veränderte sich die Welt. Reisen war praktisch unmöglich. Dennoch wollten wir unseren Urlaub nutzen und in der Region bleiben. Eigentlich sollte es an die Deutsche Weinstraße gehen, doch dort waren im Sommer 2020 alle Hotels restlos ausgebucht. Alternativ ging es in die oft betitelte hässlichste Stadt Deutschlands, Ludwigshafen. Wer schon einmal im liebevoll betitelten Deutschlands L.A. war, weiß, dass es dort kaum etwas zu entdecken gibt, also ging es bereits am zweiten Tag über den Rhein nach Mannheim.

Dieser Tag im Sommer 2020 passte zur damaligen Lage im Land. Es war ein verregneter stürmischer Tag mit grauem Himmel. Dennoch ließen wir uns die Stimmung nicht vermiesen. Bereits ab 6,- Euro geht es nach oben. Erwachsene zahlen regulär 8,- Euro. Damals war nur Barzahlung beim Liftboy möglich. 

Solltest Du vorhaben, im Restaurant zu speisen, solltest Du auf jeden Fall reservieren. Das Restaurant scheint sehr beliebt zu sein.

Zurück in die 70er

Stahloberflächen und Spannbeton, industrielle Farben und keinerlei Schnickschnack, so präsentiert sich der von 1973 bis 75 gebaute Fernmeldeturm. Der knapp 218 Meter hohe Turm war bis vor wenigen Jahren der höchste Turm in Baden-Württemberg. Die Architekten Heinle, Wischer und Partner rundeten das Gesamtbauwerk mit einer Besucherplattform in 121 Meter Höhe und einem Drehrestaurant auf 124 Meter ab.

Noch Anfang der 2000er gab es in ganz Deutschland bauliche Relikte aus den 1970er Jahren. Meist fand man diesen Baustil bei Finanzämtern, Stadthallen und Flughäfen. Doch wirklich schön fand dies kaum einer. Glücklicherweise retteten so manche Gebäudesanierung das Stadtbild in den letzten Jahren. Inzwischen jedoch ist der Baustil der 70er Jahre wieder Kult. Wer einen original Bau ohne irgendwelche misslungene Modernisierungen sucht, ist beim Fernmeldeturm in Mannheim definitiv richtig! Es ist alles original, nichts ist verändert.

Die Aussichtsplattform

Leider hatten wir keine Zeit, das Drehrestaurant eine Etage höher zu besuchen. Immerhin konnten wir die darunter befindliche Aussichtsplattform besuchen. Ob es an Corona lag oder generell so ist, wissen wir nicht. Denn wir waren die einzigen Besucher an einem Sonntagnachmittag. Der „freundliche“ Liftboy und freundlich stimmt ausnahmsweise wirklich mal, kassiert bar und fährt Dich dann rasch auf 121 Meter Höhe.

Schnell fällt auf, dass das Innenraumdesign doch sehr stark dem Stratosphere Tower in las Vegas ähnelt. Klar gibt es hier keine Achterbahn, keinen riesigen Souveniershop, die simple Verkleidung mit Metall lässt aber Erinnerungen hoch kommen. Du solltest mindestens 20 Minuten für einen Rundgang einplanen, damit Du den Ausblick auch nutzen kannst. Die Etage ist mit Toiletten versehen. Es gibt wohl auch einen Snackshop, der aber geschlossen war.

Der Turm liegt direkt zwischen Neckar und dem Luisenpark, dem ehemaligen Gelände der Bundesgartenschau 1975. In nordwestlicher Richtung kannst Du das weltgrößte Industriegebiet sehen, dem Werkgelände der BASF. In gegengesetzter Richtung siehst Du am Horizont die Südtribüne des Hockenheimrings. Und natürlich hast Du einen super Blick auf den Luisenpark und die Innenstadt von Mannheim.

Traurige Berühmtheit erlang der Turm, als 1994 ein Rettungshubschrauber ungebremst in etwa mit dem Sendemast des Turms kollidierte und infolgedessen abstürzte und völlig ausbrannte.

Ein Ausflugstipp während Corona und auch danach

Machen wir uns nichts vor, die Reisefreiheiten werden uns noch längere Zeit verwehrt bleiben. Daher können Ausflüge in die Region durchaus ein guter Ersatz sein. Wenn Du auf Stahl und Beton stehst, dann kommst Du hier auf Deine Kosten.