In Kürze geht es für uns wieder in den hohen Norden der Republik. Zuletzt waren wir vor etwa 3 Jahren in Hamburg, damals noch mit dem Auto. Letztes Jahr fuhren wir mit dem Zug gar an die dänische Grenze, doch dazu gleich mehr! 

Dieser Beitrag ist bewusst sehr sarkastisch und provokant geschrieben. Ich möchte dazu anregen, selbst einmal das Gesamte zu betrachten. Dialoge führen nämlich schneller ans Ziel als kompromisslose Hardliner.

Saarbrücken - Hamburg

Je nach Strecke kann Hamburg bis zu 800 Kilometer von Zuhause aus entfernt sein. Das Flugzeug kann natürlich direkter nach Hamburg fliegen als es die Autobahn zulässt. Hamburg ist immer eine Reise wert. 2019 ist es wieder soweit!

Die Bahn - In Deutschland leider keine Alternative!

Deutschland gehörte stets zu den technischen Pionieren. In den letzten Jahrzehnten bewies Deutschland aber leider auch, dass es sich selbst im Weg steht! Großprojekte dauern Jahrzehnte, werden teurer und teurer, politische Entscheidungen nutzen letztlich keinem und am Ende leiden wir alle. 

So verwundert es auch kaum, dass Deutschland mit dem Transrapid und dem ICE weltweit Vorreiter waren und selbst gar nicht diese Technik komplett nutzt. Ein Hochgeschwindigkeitszug wie der ICE könnte in unter drei Stunden von Saarbrücken in Hamburg sein, gäbe es denn die Trassen dafür. Frankreich bewies, wie man es richtig macht. Für wenige Euro können wir von Metz nach Paris in knapp über einer Stunde reisen. Schneller ist selbst ein Flugzeug nicht.

ICE

Ich selbst pendelte jahrelang von Saarlouis nach Trier und zurück. Hier ist die Bahn wirklich eine Alternative. Doch auf Reisen oder als Flughafenzubringer ist die Bahn einfach nicht konkurrenzfähig. Wenn ich nur an unsere Horrorfahrt von Saarlouis zum Kölner Flughafen an einem Sonntag im Juni zurückdenke, da bin ich immer noch gereizt. Knapp vier Stunden sollte die Fahrt mit zwei planmäßigen Stopps dauern, am Ende waren es sechs Stunden und vier Umstiege. Wenigstens funktioniert die App, denn das Bahnpersonal ist unfreundlich und überfordert und immerhin war das Rail&Fly-Ticket inklusive…

Im letzten Jahr sollte es in die Nähe von Sylt gehen. Da wir vor Ort ein Elektroauto hatten, wollten wir nicht mit dem PKW hinfahren. Was blieb übrig? Zug oder Flugzeug?! Nach der Air Berlin Pleite gab es leider noch keine zuverlässigen Routen nach Sylt. Hamburg ist selbst hierfür noch zu weit entfernt und der Lübecker Airport hat keine kommerziellen Flüge mehr. Also ging es auf eine Horrorfahrt über dreizehn Stunden! Ein halbes Dutzend mal mussten wir meist ungeplant umsteigen. Das Bahnpersonal war genervt, die Fahrgäste noch schlimmer. Nach zig Zugausfällen und unfreundlichen Fahrgasterfahrungen kamen wir dann endlich auch an. Achja, man soll ja mit der Bahn in Urlaub fahren, nur dumm, dass es im ganzen Waggon vielleicht regulären Platz für 10 Koffer gibt. Kleine Taschen passen immerhin ins Gepäckfach. Also ist man eh schon der Feind jeden anderen Zuggast…

Ich diskutier nun auch nicht, jede Minute Freizeit kostet mich Geld. Da verbringe ich diese nicht in überhitzten und überfüllten Zügen, wo am Ende noch mein Koffer abhanden kommt. Ja, ich weiß, man kann sich den Koffer auch bringen lassen, doch wo bleibt da der Umweltgedanke? – Und der Preis ist meist deutlich teurer als das Auto oder das Flugzeug!

Warum sind Inlandsflüge sinnvoll?

Aktuell neigen alle „Experten“ zu drastischen Verboten. In persönlichen Gesprächen geht es den Forderern jedoch meist eher darum, dass man einem anderen nichts gönnt. Eigener fehlender Ehrgeiz in Schule und Beruf können dazu führen, dass man anderen nicht alles gönnt. Auch wenn ich dies nun sehr provokant schreibe, ist ein Fünkchen Wahrheit drin. 

Werden wir wieder sachlich! Klar ist es sinnvoll, dass man für Notfälle schnell von A nach B kommt. Auch wenn vielleicht 1-2 % der Fluggäste einen Notfall haben, benötigen eben diese Personen die Masse zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit eines Massenverkehrsmittels. Ich höre in aktuellen Diskussionen, man möchte nicht, dass jeder fliegen kann, dann fliegen eben halb volle Jets durch die Gegend, bei denen ein enormer Pro-Kopf-Verbrauch generiert wird. Der Umwelt ist also geholfen! Aber genau hier liegt der Sarkasmus. In der Schule lernt man auch hoffentlich heute noch den guten Dreisatz… Wenn dies nicht gerade an einem Freitag unterrichtet wird, sieht man schnell, dass eine Bezugsgröße enorm wichtig ist, um mathematische Zusammenhänge darzustellen. 

Aber warum brauchen wir neben Notfällen auch Kurzstreckenflüge? Ganz einfach, das Flugzeug ist ein Massenverkehrsmittel. Wie bei Linienbussen gibt es auch in der Luft Linien. Du verstehst sicherlich, dass in Deinen kleinen Dorf der Bus vielleicht kleiner ist und seltener kommt als in einer Metropole. Möchtest Du also irgendwohin, fährst Du zunächst meist bis zum Busbahnhof. Dort kommen viele kleine Busse an und alle Fahrgäste steigen dann in einen großen Bus, der bis in die Stadt fährt. Klingt doch logisch oder? Genau deswegen gibt es Zubringerflüge!

Auch die Existenz kleinerer Flughäfen ist sinnvoll. Neben zahlreichen infrastrukturellen Gründen geht es natürlich auch um wirtschaftliche Förderung der Region. Ohne Arbeit hast Du nämlich auch kein Geld, umweltfreundliche Niedrigenergiehäuser zu bauen. 

Große Flughäfen sind oft an Kapazitätsgrenzen, umso sinnvoller, dass nicht auch noch Du Deinen Wagen in überfüllte Parkhäuser quetschst und die Sicherheitskontrolle weiter ins Schwitzen bringst.

Bombardier DHC-8 oder Dash 8

Viele Kurzstreckenflüge werden heutzutage mit Turbopropmaschinen durchgeführt. Das meist genutzte Modell ist hierbei die sparsame Dash 8 Q400, wobei das Q für „quiet“ steht. Austrian Airlines, Luxair aber auch Lufthansa setzt auf diese sehr zuverlässige Maschine. Die größte Version fasst knapp 80 Personen. Durch die kompakten Maße kann dieses Flugzeug auch Flughäfen mit sehr kurzen Start- und Landebahnen ansteuern.

Luxair
Bombardier DHC-8
Bombardier DHC-8
Bombardier DHC-8
Bombardier DHC-8
Bombardier DHC-8
Bombardier DHC-8

Am meisten flog ich bisher mit der Boeing 737-800, direkt dahinter kommt da bereits die Dash 8. Der A320 oder der Dreamliner folgen erst weit dahinter. So verwundert es kaum, dass mir der Flug mit einem Propellerflugzeug kaum Gedanken macht. Vielen verbindet allein der Gedanke an die vermeintlich veraltete Technik Herzrasen, doch das ist völlig unbegründet. Die Turboprops zählen zu den modernen Triebwerken und sind sehr sparsam und sicher. Auch diese Flugzeuge sind so konstruiert, dass auch ein Propeller zum Fliegen ausreicht.

Direkter Vergleich PKW - Flugzeug

Statistiken sollte man nur glauben, wenn man sie selbst gefälscht hat. Da ich Dir nun nicht die Katze im Sack verkaufen möchte, habe ich versucht, einen sehr realistischen Vergleich anzustellen. Ich nutzte Erfahrungswerte meines Fahrverhaltens und meines Wagens. Ich recherchierte lange, was eine solche Dash 8 verbrauchen mag. Ich nahm jedoch bewusst sehr negative Werte. Mehr dazu liest Du unten.

Neben dem reinen Umweltcharakter interessiert mich natürlich auch der Komfort! Sehr positiv ist natürlich, dass Petra gerade einmal 5 Kilometer von Ensheim wegwohnt. So können wir locker mit dem Linienbus zum Airport fahren. In Hamburg selbst werden wir den ÖPNV und Elektroroller verwenden, also eher klimaneutral und außerdem sparen wir viele Parkgebühren. Am Hotel werden wir etwa 4 Stunden nach Verlassen der Haustür sein!

Mein PKW*

5,3 l auf 100 km
45,00
  • 673 km Einfache Entfernung
  • 8-9 h Geschätzte Fahrtzeit
  • 8-9 h von Start bis Ziel
  • 36 l Diesel Verbrauch

Flugzeug Dash 8*

4,5 l auf 100 km
49,50
  • 550 km Einfache Entfernung
  • 1 h Geschätzte Flugzeit
  • 4 h von Start bis Ziel
  • 25 l Kerosin Verbrauch

Anhand des oberen Vergleiches siehst Du schnell, dass selbst bei einer sehr negativen Betrachtung des Kerosinverbrauchs, das Propellerflugzeug immer noch sparsamer als mein PKW davon kommt. Negativ daher, da ich bei einem Kurzstreckenflug von 4,5 Liter auf 100 Kilometer pro Passagier ausgehe. Der Hersteller spricht gar von unter 2 Liter. Der Durchschnittsverbrauch bei deutschen Fluggesellschaften liegt gar nur bei circa 3,6 Liter. In den letzten 30 Jahren konnte so der Verbrauch um etwa 40% gesenkt werden.

Betrachtet man nun auch noch, dass die meisten PKWs etwa 7 bis 8 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen, ist der Vergleich noch eindeutiger. Ich denke daher, dass meine angenommenen Werte sehr realistisch sind und gar das Flugzeug vorab schon negativer darstellen. Trotzdem gewinnt der Flug in allen Kategorien gegenüber meinem PKW. Die Bahn schied ja leider aus bereits genannten Gründen vorab aus…

Moderne Flugzeuge wie der Airbus A320neo oder die Boeing 737-Max verbrauchen bis zu 16% weniger als der aktuelle Durchschnitt. Virgin setzt bereits seit längerem Biokraftstoffe ein. 

Natürlich fahren wir zu zweit. Da ist der Kraftstoffverbrauch des PKWs im Durchschnitt natürlich niedriger als der summierte Verbrauch des Flugzeuges. Dennoch steht der Stress, die Unfallgefahr und die nervigen Staus in keinem Verhältnis zu einem schnellen Flug von vor der Haustür!

Bin ich nun ein schlechter Mensch?

Nein! Ich besitze auch keinen Flugscham! Ich belaste weder Autobahnen, noch die Anwohner in Ortsdurchfahrten, ich verbrauche weniger Ressourcen und bin natürlich auch schneller am Ziel. Was mache ich nun verkehrt? Nichts! 

Warum ich mich dennoch als sehr umweltbewusst sehe, kannst Du gerne hier nach lesen. 

Lass Dir also kein schlechtes Gewissen machen, anhand oben genannter Fakten, solltest Du sehen können, dass vieles zur Zeit heißer gekocht als gegessen wird!