Ehrlich gesagt ging der ganze Cars Hype ein wenig an uns vorbei – Bis auf unserem Flug nach Miami im letzten Jahr. Im Flugzeug probiert man meist Filme zu finden, bei denen man nicht viel denken muss, denn dauernd wird man unterbrochen. War Toy Story damals noch ein richtiges Highlight, wurden die späteren Pixar-Filme meist etwas aussagelos. Anders war Cars, direkt fesselte die einfache Geschichte in einer wohl fiktiven Stadt irgendwo im WestenAber hier wurden wir eines besseren belehrt. Diese kleine fast unglaubliche Stadt aus dem Disney-Film gibt es wirklich! In Arizona an der Historischen Route 66 stehen noch heute Doc Hudson, Hook oder Sheiff.

Von der Realität zum animierten Kinofilm

Der große Einsatz eines ortsansässigen Frisöres brachte die ehemalige wichtige Straße Route 66 wieder in die Köpfe der Menschen. 2006 erforschte John Lasseter von Pixar die Geschichte der Straße. Er traf sich hierzu mit Angel Delgadillo, dem ortsansässigen Unternehmer aus Seligman. Der heute 91jährige brachte all seine Erfahrungen in den erfolgreichen Disney Animationsfilm Cars mit ein.

Angel Delgadillo - Der Schutzengel der Route 66

Nach dem immer weiter fortschreitenden Autobahnausbau wurden immer mehr Abschnitte alter Verkehrslebensadern stillgelegt oder zu einer unwichtigen Straße degradiert. Heute kaum vorstellbar, geriet die Route 66 in den 70ern und 80ern des letzten Jahrhundert mehr und mehr in Vergessenheit. Es war eben nicht mehr als eine Straße. Dass die Route 66 vom damals von Problemen geprägten Osten startend in Chicago zur goldenen Pazifik Küste in Santa Monica führte, machte vielen Hoffnung. Über mehrere tausend Meilen, tagelang fuhren die Familien in ein neues Leben. Heute sitzt man dafür 3 Stunden im Flieger.

Es klingt erst einmal super. Man ist deutlich schneller, das Unfallrisiko sinkt und es ist auch wirtschaftlicher. Doch was damals wie heute kaum einer bemerkte, die komplette Wirtschaft mit Tankstellen, Motels, Werkstätten, Ärzten oder auch Frisören kommt in diesen Regionen völlig zum Erliegen.

Bestimmt auch nicht ganz ohne eigenen Nutzen veranlasste diese Situation, den in Seligman ansässigen Frisör Angel Delgadillo eine Initiative für den Erhalt der historischen Route 66. Er gründete 1987 die Historic Route 66 Association of Arizona. Kurz drauf wurden in allen 8 Bundesstaaten, durch die die Route 66 läuft, ähnliche Vereine gegründet. Hauptziel war die großräumige Beschilderung der so wertvollen historischen Straße. Heute ist die Historische Route 66 sehr gut von den modernen Fernstraßen aus ausgeschildert und heute betreibt Angel Delgadillo und seine Familie einen bekannten Souvenirshop!

Warum die Reichsautobahn die Route 66 sterben ließ...

Es klingt schon fast unheimlich, wenn man diesen Zusammenhang hört. Nach dem Sieg der Alliierten reiste der damalige U.S. Präsident nach Nürnberg und war begeistert vom deutschen Autobahnnetz. Die heutige A9 war damals der Inbegriff moderner Verkehrsführung. Ohne zu bremsen konnte man schnell weite Strecken überwinden. Es gab keine Kreuzungen oder Ampeln (Naja gut, das gibt es inzwischen auch…), man konnte einfach Gas geben. Nach dem 2. Weltkrieg wurde nach Vorbild der Reichsautobahnen das amerikanische Fernstraßennetz revolutioniert. Es wurden Gesetze erlassen, Ministerien eröffnet, nur um schnell den Binnenmarkt zu optimieren. Auf der Strecke blieben die alten Hoffnungsträger quer durchs Land. Prominente Opfer sind zum Beispiel der Pacific Coast Highway und die Route 66.

Was machen die Stars heute?

Der große Star Lightning McQueen tourt zwischen den Filmdrehs durch die Welt. Hier sehen wir ihn auf einer Ausstellung in Hong Kong. Seine Filmkollegen hingegen blieben bodenständiger. Die meisten von ihnen wohnen auch heute noch in Seligman. 

Trotz ihres Ruhms lassen sie sich auch noch gerne mit Fans fotografieren. Die meisten leben ganz bescheiden in Einfahrten und Hinterhöfen. 

Ein Stopp in Seligman ist definitiv ein Muss! Nirgendwo sonst trifft man so viele Kinostars wie hier. In unserem Fall war es ein kurzer Zwischenstopp auf dem Weg zum South Rim mit SweetTours.

Ein Ort wie aus einer anderen Welt

Genau dies war auch unser Eindruck. Ein Ort, in dem es nur um die Route 66 geht. Jeder lebt hiervon. Der ganze Ort ist von alten Relikten gesäumt. Dank des großen Kinoerfolges im Jahr 2006 ist dieser Ort ein echter Promi-Hotspot. Lediglich Lightning McQueen, Sally, Michael Schumacher und Mika Häkkinen wohnen heutzutage nicht mehr hier.

Egal ob jung ob alt, Seligman fasziniert. Selten hat eine halbe Meile Straße so viel interessantes hervorgebracht. Auch für Fotomotive ein idealer Ort. Inzwischen pilgern von weltweit Fans hierher, um ihre Nummernschilder da zu lassen. Dieser Trend unterstreicht noch einmal, dass die Route 66 weiterhin lebt!

Nichts wie hin!

Plan diesen Stopp auf jeden Fall mit ein. Wer hier nicht war, hat irgendwas verpasst. Du kannst jedes mal, wenn Du Cars schaust Deinen Senf dazu geben. Kaum einer wird es Dir zunächst glauben, doch dann zeig ihnen die Bilder. Du wirst mit ungläubigen Augen angestarrt!

Die Route 66 lebt!