Wie ihr sicherlich mitbekommen habt, machten wir erst kürzlich eine Mini-Kreuzfahrt von Kopenhagen nach Oslo. Die nordischen Staaten sind uns seit Jahrzehnten in vielem weit voraus. Diese Staaten zählen auf fast allen Ebenen zu den Vorreitern. So verwunderte es auch kaum, dass E-Scooter längst zum Alltag gehören!

Es macht Spaß und ist effizient!

Überall gibt es verstopfte Straßen, der ÖPNV ist nicht ausreichend erschlossen und dennoch möchtest Du schnell von A nach B kommen. Was gibt es da besseres als einen kleinen Flitzer. Kinderleicht per App und ohne große Registrierung bist Du auch schon mobil!

Kopenhagen ist ideal für eine Erkundungstour per E-Scooter

Kopenhagen gehört weltweit eh zu den Städten mit den meisten Radfahrern. Dadurch ist es kaum verwunderlich, dass die Infrastruktur auf Radfahrer ausgelegt ist. Auch das Fahrverhalten ermöglicht Situationen, welche ich nur aus dem Radsport kenne. Es gibt neben den gewöhnlichen Radwegen auch spezielle Fahrradautobahnen. Ideal also auch für den E-Scooter. Mit maximal 20 km/h ist man mit dem Otto-Normal-Stadtradfaher auch auf Augenhöhe. Keiner behindert oder gefährdet den anderen dadurch.

Petra mit dem Lime-S am Ørstedsparken in Kopenhagen

In Kopenhagen gibt es viel zu sehen, man bräuchte Tage oder gar Wochen hierfür. Die meisten Touristen verbringen maximal 2-3 Tage in einer Stadt. Zwar ist in Kopenhagen der ÖPNV sehr gut und auch bezahlbar aufgestellt. Doch man ist auf das Streckennetz und den Fahrplan angewiesen. Stadtführungen und Touribusse bringen einen auch nur oberflächig zu den Hotspots. Mit einem E-Scooter gelangst Du wirklich überall hin!

Der erste Kontakt mit der mobilen Zukunft

Als wir vor fast genau einem Jahr in San Francisco waren, staunten wir nicht schlecht, wie viele rasante Roller und Skateboards an uns vorbei rauschten. Zunächst denkt man sich, ok die USA eben. Doch als das erste Skateboard ohne jeglichen menschlichen Schritt mühelos die bekannten steilen Straßen hoch fuhr, bemerkten wir, da stimmt etwas nicht.

Als wir genauer hinschauten, hatte der Hipster auf dem Skateboard eine kleine Fernbedienung in der Hand. Auch das Skateboard war, wenn auch optisch gut kaschiert, etwas wuchtiger. 

An allen bekannten Touristen-Hotspots gab es zudem dutzende, meist grüne Roller. Sie standen da einfach so rum. Nicht angekettet, kein Mensch in der Nähe und dennoch schien sie keiner klauen zu wollen.

E-Scooter ab sofort legal in Deutschland

Seit dem 15.Juni 2019 sind zugelassene E-Scooter in Deutschland erlaubt. Bei den bekannten Sharing-Anbietern kannst Du davon ausgehen, dass alle Roller dem Gesetz entsprechen, doch wie sieht es aus, wenn Du Dir selbst einen Roller kaufen willst:

Welche Roller sind zugelassen?

Eins vorweg, die meisten bereits gekauften E-Scooter verfügen auch nachträglich über keine Zulassung! Ein E-Scooter muss zudem immer eine Lenkerstange haben. Das Skateboard des Hipsters wäre somit in Deutschland nicht zugelassen. Aktuell kosten zugelassene E-Scooter bis zu 2000,- Euro. Der BMW X2City oder Metz Moover entsprechen aktuell der Gesetzgebung. Die großen deutschen Elektronikfachmärkte möchten allerdings zeitnah Modelle ab etwa 400,- Euro auf den Markt bringen.

Gibt es eine Versicherungspflicht?

Ja! Und versuche es am besten erst gar nicht ohne. Hohe Geldbußen, private Haftung oder gar Führerscheinentzug können die Folgen sein. Haftpflichtversichrungen soll es ab etwa 60,- Euro im Monat geben. Ähnlich wie bei einem Mofa erhälst Du dann eine Versicherungsmarke in Form eines Aufklebers.

Wer darf überhaupt fahren?

Bei den meisten Sharing-Anbietern herrscht ein Mindestalter von 18 Jahren. Bei eigenen Scootern darf man aber bereits ab 14 Jahren fahren. Übrigens braucht man keinen Führerschein, was aber nicht heißt, dass bei einem Verkehrsdelikt der Führerschein nicht entzogen werden könnte.

Helmpflicht und Maximalgeschwindigkeit?

Dadurch, dass die Maximalgeschwindigkeit auf 20 km/h festgelegt wurde, entfällt auch die Helmpflicht, was aber natürlich nicht heißt, dass Du besser einen trägst!

Wo darf ich fahren?

In Deutschland darfst Du keinen Gehweg benutzen, die Straße darfst Du nur dann benutzen, wenn kein Radweg vorhanden ist. Auch darfst Du Deinen Scooter nur da parken, wo er keinen stört!

Tier und Lime-S im Test in Kopenhagen:

Tier, Lime-S und Voi teilen sich den Markt in der dänischen Hauptstadt auf. Während Voi sich auf das Stadtzentrum konzentriert, agieren die beiden anderen Anbieter auch in den Außenbezirken. Die Idee, überhaupt einmal einen E-Scooter zu nutzen kam von Petra, als wir nachmittags Kopenhagen zu Fuß und per Bus erkundeten. Auf den Bildern sieht man, was für ein Spaß sie damit hatte. 

Petra mit dem Lime-S am Den Sorte Plads

Die Registrierung:

Sowohl bei TIER als auch Lime-S erfolgt die Registrierung per Handy-App. Zunächst einmal lädst Du Dir die entsprechende App runter. Im Folgenden gehst Du ganz einfach Schritt für Schritt die Anmeldung durch. Beide Anbieter unterscheiden sich nur marginal. Während des Registrierungsprozess bekommst Du auf Dein Handy einen Bestätigungscode zugesendet. Zusammen mit der Eingabe Deiner Kreditkartendaten reicht dies dem Anbieter als Sicherheit aus.

Gutschein-Code:

Damit Du das E-Scooter-Konzept auch einfach so einmal testen kannst, bieten wir Dir hier zwei interessante Coupons für Deine erste Fahrt bei TIER oder Lime-S. Leider gelten diese Rabatt-Codes nur für Neuregistrierungen:

Mit diesen Codes erhältst Du Deine erste Fahrt umsonst. Teste sie doch einfach mal bei Deinem nächsten Städte- oder Wochenendtrip!

Die Kosten und Bezahlung:

Die Preise sind bei fast allen Anbietern identisch. Du zahlst eine Art Startgebühr und anschließend einen Betrag pro Minute. In den Euro-Ländern beträgt dieser Preis:

Pro Fahrt 1,- Euro + 0,15 Euro pro Minute

Je nach Landeswährung weichen die Preise ein wenig ab. Per App siehst Du in Echtzeit Deinen „Verbrauch“. Nach Deiner Fahrt oder am Tagesende erhältst Du per Email eine Kostenaufstellung zugesendet. Diese Summe wird dann Deiner Kreditkarte belastet.

Die Versicherung bei Sharing-Anbieter:

Bitte informiere Dich vor Deiner ersten Fahrt, ob und wie Du auf dem Scooter versichert bist. Trotz des gleichen Anbieters können die Bedingungen je nach Land voneinander abweichen. Bei TIER zum Beispiel bist Du aktuell in Dänkemark und Norwegen Haftpflicht versichert.

Die Fahrt:

Das Prinzip ist bei allen Anbietern ähnlich. Per App suchst Du in Deinem Umfeld nach einem Roller. Nachdem Du ihn vor Ort gefunden hast, scannst Du entweder Deinen Scooter oder bekommst durch ein Tonsignal einen E-Scooter zugeteilt. Der Roller ist somit mit Dir verbunden! Ab jetzt läuft die Zeit!

In den Apps und auf den Seiten der Anbieter bekommst Du noch Hinweise zur Nutzung (Gas geben, Bremsen, Parkregeln,…) des Rollers. Ein sehr ernstes Thema sind die Parkregeln. In vielen Großstädten gibt es Tabu-Zonen. Diese sind meist bekannte Plätze oder Gegenden mit viel Verkehr. Nur in ausgewiesenen Zonen darf hier geparkt werden. Lime-S geht sogar soweit, dass Du zu Ende Deiner Fahrt den Parkplatz mit Deinem Roller fotografieren musst. Wo Du nicht parken darfst, erfährst Du in der App.

In den meisten Ländern gilt zwar keine Helmpflicht, dennoch verhindert das Tragen natürlich ernsthafte Verletzungen. Informiere Dich bitte auch zuvor, wo Du überhaupt fahren darfst. In Deutschland dürfen Gehwege auf keinen Fall verwendet werden.

Ein Praxis-Tipp: Der Roller rollt nicht direkt per Gas los. Du musst erst ein zwei Schritte treten und dann erst den Gas-Knopf drücken. Nachdem Du diesen Kniff raushast, steht Dir und Deiner Freiheit nichts mehr im Weg!

TIER

Lime-S

Direkter Vergleich TIER und Lime-S

Auf den ersten Blick wirken die E-Scooter von TIER stylischer und robuster als die der Konkurrenz. Viele Bedien- und Anzeigeelemente sind harmonisch in das Chassis integriert. 

Auch das Fahrverhalten hinterlässt einen steiferen Eindruck. Bodenwellen werden kaum merklich genommen. Gas und Bremse sind kraftvoll und gut dosierbar.

Lime-S legte wohl Wert auf schnelle Wartung. So liegt der Akku außen. Die Geräte wirken frisch und modern. Insgesamt machen die Scooter einen guten und schicken Eindruck.

Das Fahrverhalten ist jedoch im Vergleich zu Tier etwas schwammiger. Die Steifigkeit ist spürbar geringer, dafür schluckt der Scooter Unebenheiten angenehmer.

Zumindest in Kopenhagen hat TIER im direkten Vergleich zu Lime-S bei der Verfügbarkeit das Nachsehen. Zwar findet man überall einen TIER. Lime-S hat am selben Platz dann aber mehrere stehen. Für Paare und Gruppen ist Lime-S dann wohl die bessere Wahl.

Die akustische Zuweisung eines Scooters funktioniert zwar, kann aber unter Umständen zu Verwirrung und Umräumen führen

Die Verfügbarkeit von Lime-S ist in Kopenhagen praktisch überall gegeben. Sie stehen sogar in vielen Seitenstraßen. Die App zeigt Dir auch den aktuellen Ladezustand an. Der Akku scheint im direkten Vergleich zu TIER empfindlicher zu sein.

Durch das Anscannen des QR-Codes ist eine unkomplizierte Buchung des E-Scooters möglich. Auch das Abstellen und Beenden der Fahrt funktioniert fehlerfrei.

Zu Ungewissheit führt bei TIER die zeitversetzte Beendigung der Fahrt. Normalerweise stellst Du Deinen Roller ab und beendest Deine Fahrt in der App. Bei Lime-S klappt dies in Echtzeit. Bei Tier jedoch ist der Scooter noch einige Minuten aktiv, obwohl die App die Fahrt bereits als beendet bestätigt hat.

Negativ fiel auf, dass die Pause-Funktion wohl nicht funktioniert. Laut App kannst Du für 120 Minuten Deine Fahrt unterbrechen. Der E-Scooter soll solange blockiert sein. Bei unserem Versuch bekamen wir aber wenige Minuten später die Meldung in der App, dass die Fahrt beendet wurde!

Aktuell gibt es E-Scooter mit einer Reichweite von bis zu 50 km! Da beide Anbieter bereits mehrere Varianten im Einsatz haben, möchte ich keine technischen Werte vergleichen. Das brauche ich auch nicht, denn Du siehst in der App bereits vorab, wie groß die voraussichtliche Reichweite des Rollers sein wird. Alle Scooter sind auf maximal 20 km/h gedrosselt. 

Unser Fazit:

Auch wenn das Fahren relativ teuer ist, macht es tierisch Spaß und Du kommst echt voran! Du kannst in etwa mit rund 10,- Euro pro Stunde rechnen. Nutzt Du Dein Smartphone in Verbindung mit einer Smartwatch, hast Du ein perfektes Navigationssystem am Handgelenk!

Wir bezahlten für unsere etwa dreistündige Stadtrundfahrt umgerechnet knapp 40,- Euro. Klingt erst einmal teurer, im Vergleich zum Touri-Doppeldeckerbus oder einer Stadtführung aber günstig! Geführte Segway-Touren sind auch nicht gerade günstig, wir können uns aber vorstellen, dass dieser Preis nach unserer Erfahrung mit den Scootern durchaus gerechtfertigt ist. Du siehst einfach deutlich mehr in kurzer Zeit!