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Das Stadtmuseum Simeonstift Trier zeigt Kleidung und modische Accessoires für besondere Anlässe von 1770 bis heute. Die Sonderausstellung „Um angemessene Kleidung wird gebeten“ entführt in die Welt des allgegenwärtigen Dresscodes der Anlassmode. Vom Taufhemd über Sonntagsstaat, Hochzeitsmode und Ballkeid bis hin zum Trauerflor. Erlesene Stücke aus der Privatsammlung von dem Trierer Modedesigner und Textilrestaurator Ralf Schmitt runden den Streifzug durch die Geschichte der Mode und wechselnden Konventionen stilvoll ab. Die ruhige anmutige Inszenierung des Museums macht den Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis und erinnert gleichzeitig daran, dass Trier nicht nur Modestadt sondern auch „Stadt der schönen Dinge“ ist.

30. Mai 1951, Gilzem in der Eifel. Das Hochzeitspaar Hildegard und Ernst Dichter geben sich das Ja-Wort. Er im dunklen Anzug, sie im crème farbenen Brautkleid mit schöner Smokarbeit und reizenden kleinen Stoffblüten am Saumende. Ein bezauberndes Kleid für einen großen Tag, angefertigt aus Seide – aus Fallschirmseide! Fallschirmseide? Jetzt widme ich dem vor mir stehendem Exponat, das erstaunlich gut erhalten ist, erst recht meine Aufmerksamkeit. Beim genauem Hinsehen erkennt man gar Knicke vom früheren Falten des Fallschirms. Am liebsten würde ich es anfassen, so sehr berührt mich die Geschichte, die dahinter steht. Vor über 65 Jahre brachte der Bruder der Braut genau jenen Fallschirm um den Körper gewickelt nach Kriegsende mit nach Hause und schenkte ihn seiner Schwester, damit sie sich daraus ein Brautkleid nähen konnte.

Brautkleid 2018, Bachelor-Kollektion Paula Forster, Modedesign Fachhochschule Trier

Not macht erfinderisch

Notkleidung. Einer von zehn thematischen Schwerpunkten in der Sonderausstellung „Um angemessene Kleidung wird gebeten“ im Stadtmuseum Simeonstift Trier. Schwierige Zeiten und mangelnde Rohstoffe machen erfinderisch und wecken zweifelsohne kreative Fähigkeiten. Sehr emotional und in diesem Zusammenhang wohl auch eine der außergewöhnlichsten Arten der Wiederverwertung eines Textilstücks. Direktrecycling würde man heute dazu sagen, wenn auch die Beweggründe und Begebenheiten von damals zu heute nicht unterschiedlicher sein könnten.

Heute, 68 Jahre später, sind Recycling und Nachhaltigkeit hip und angesagt. Haben nicht unlängst pfiffige Designer für eine weltbekannte Marke einen schicken Sportschuh aus den Plastikabfällen der Malediven kreiert und verkauft? Die 7000 Exemplare waren schnell vergriffen und die Nachfrage ist nach wie vor ungebrochen. Inzwischen sind die Meeresplastik-Treter sogar fester Bestandteil der Produktpalette und wurden überdies um Kleidungsstücke erweitert. Der Markt ist da.

Wer hätte gedacht, dass Müll in Mode kommt? Vor Jahren noch undenkbar! Das zeigt aber auch, dass Mode schon immer eine Möglichkeit war, seine Zeit bewusst mitzugestalten. Modedesign bedeutet heute wahrlich mehr als nur ein paar schöne Skizzen anzufertigen. Die älteste durchgehend bestehende Modeklasse Deutschlands findet man übrigens an der Hochschule Trier. In drei Jahren feiert man 100-jähriges Bestehen. 

Knopflager, Hochschule Trier
Kathrin Koutrakos, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Stadtmuseum Simeonstift
Hochschule Trier, Modedesign
Garnlager Hochschule Trier

Mode - Zeitzeuge unserer gesellschaftlichen Konventionen

Dass sich die ästhetischen Anforderungen der Kleidung im Laufe der Jahrzehnte veränderten, ist unvermeidlich. Das ist der Lauf der Dinge. Während heute ein Bruch der modischen Normen einem individuellen Statement gleichkommt, hätte dies bis in die 1960er Jahre die gesellschaftliche Sanktion nach sich gezogen. Selbst heute noch diskutiert man gerne über over- oder underdressed und stellt sich nach wie vor die berühmte Gretchenfrage: Ist ein legeres Outfit hinter dem Bankschalter nun angemessen, oder nicht?

Der Blaumann - stellvertretend für Arbeitskleidung

Meryl Streep, Vertreterin der klassischen Schauspielkunst, sagte einmal: „Wir signalisieren sehr viel durch das, womit wir unseren Körper umgeben.“ Auch wenn ich nicht sicher bin, ob sich ihre Äußerung über die Mode hinaus auch auf ein schickes Haus und Auto bezog, stimme ich ihr mal zu. Mode erzielt einen bestimmten Effekt – oder hilft ihn zu vermeiden.

Mode verrät also nicht nur viel über seine Träger sondern ist auch ein interessantes Abbild für die jeweilige Zeitepoche. Genau hier setzt auch die Ausstellung „Um angemessene Kleidung wird gebeten“ des Stadtmuseums Simeonstift Trier an und zeigt in chronologischer Abfolge ab 1770, in teilweisen prachtvollen Roben, von Stadtion zu Station die verschieden Zusammenhänge und Entwicklungen der jeweiligen Ära.

Ballkleid zu Zeiten Napoleon III. (um 1864/65

Anfassen verboten, einfühlen erwünscht - Textilrestauration

Aufregend. Ist das hübsche DIOR Cocktailkleid, Modell CARACAS, von Sophia Loren? Ralf Schmitt, der zu meiner großen Freude die Führung höchstpersönlich kuratiert, ist dieser Frage dicht auf den Fersen. Kurz zuvor standen wir schon vor einem anderen Stück ikonischer Geschichte. Ein Ballkleid, das zu Zeiten von Napoleon III. durch die Ballsäle schwebte. Beeindruckend, vor allem wenn man bedenkt dass das Kleid fast ein ganzes Jahrhundert auf dem (in keiner Weise) zerschlissenen Buckel hat.

Stadtmuseum Simeonstift Trier
Das mutmaßliche Kleid von Sophia Loren

Dieser Umstand ist den Fertigkeiten des Trierer Textilrestaurators Ralf Schmitt und seinem Team zu verdanken. Bis dahin war mir nicht bewusst, wie viel Arbeit eigentlich in der Restauration eines historischen Kleidungsstücks steckt. Dessen historische DNA hat wenig mit Löcher stopfen und Kleiderwaschen zu tun. Das ist reinste Forschungsarbeit und geht Hand in Hand mit analysieren von Fasern und Webtechniken. Manche Kleider sind so empfindlich, dass man sie noch nicht einmal mehr präsentieren und ausstellen kann. Textilien sind vergänglich und Licht und Klimaschwankungen sind deren größter Feind. Direktes Anfassen ist daher leider auch verboten, aber auf Tuchfühlung mit den Materialien muss man dennoch nicht verzichten. Die Sitzkissen der Hocker in der Ausstellung des Stadtmuseums Simeonstift Trier sind nämlich mit den jeweiligen Stoffen bezogen. Genial gelöst! 

#INSTAWALK #MODESTADT_TRIER

Ich wende mich meinen beiden Begleiterinnen, die ich im Rahmen des Instawalks kennengelernt habe, zu. Erstaunlicherweise beides Exil-Saarländerinnen. Schmunzelnd denke ich, dass wir Saarländer, sei es ein Raum mit vielen Menschen oder der noch so abgelegenste Ort der Welt, uns immer blind finden. Sogar Kathrin Koutrakos, die für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Stadtmuseum Simeonstift Trier zuständige ist (und der ich die nette Einladung zum Instawalk zu verdanken habe), ist mit dem Saarland verbunden.

Die geladenen Gäste sind ein bunter Mix aus Bloggern, Influencern und Modeliebhabern aus der Region Trier und darüber hinaus. Auch Luxemburg ist vertreten, sowie Freunde, Unterstützer und Kooperationspartner des Stadtmuseums Simeonstift Trier. Wir alle sind Multiplikatoren und Botschafter, die nun das Erlebte und die gewonnen Eindrücke in unserem Freundeskreis und an unserer Community in den Sozialen Netzwerken, unter dem Hashtag #instawalk und #modestadt_trier weitertragen.

Trierer Modedesigner und Textilrestaurator Ralf Schmitt
Mit Simone Busch, InstaWalk Teilnehmerin

Kurz vor der Führung ergab sich die Möglichkeit eines Gesprächs mit der Museumsdirektorin Frau Dr. Elisabeth Dühr. Hierbei erfuhr ich, dass man über klassischen Kanäle, wie beispielsweise Zeitung, nicht mehr alle Kunstinteressierten erreiche. Gerade die junge Generation – durchaus informiert – aber anders.

Das ist sicherlich eine Intention des Instawalks, doch die Philosophie, die Grundhaltung des Hauses ist eine andere. Es geht um die Pflege, den regen Austausch mit den Liebhaber (und alle die es noch werden wollen) des Stadtmuseum Simeonstift Trier. Man möchte die Menschen einfach da abholen und erreichen, wo sie sich bevorzugt auf- und unterhalten.

Am Ende des Tages fühle ich mich als Besucher der Sonderausstellung „Um angemessene Kleidung wird gebeten“ umworben und animiert und habe keinesfalls das Gefühl des Abarbeitens der einzelnen Exponaten. Mein magischer Moment, so seltsam es klingt, sind zum Schluss die warmen Worten von Modedesigner Ralf Schmitt, der sich nach der Führung herzlich bedankt und uns mit den Worten entlässt: „Scheint, seid kreativ und (mode)mutig.“ 

Worte, die nachhallen. Hoffentlich finden noch viele Besucher den Weg in diese wunderbare Ausstellung. 

Ich danke dem Stadtmuseum Simeonstift Trier für die Einladung. Danke für diesen aufregenden Nachmittag.

„Um angemessene Kleidung wird gebeten.“

Mode für besondere Anlässe von 1770 bis heute

Sonderausstellung im Stadtmuseum Simeonstift 
19. Mai bis 6. Oktober 2019

*Der Besuch erfolgte auf Einladung des Stadtmuseums Simeonstift Trier, das in Kooperation mit der Hochschule Trier zum Instawalk einlud.