Oft sieht man Orte, Menschen, Tiere oder Situationen, bei denen man glaubt, sie würden ewig in Erinnerung bleiben. Doch schon einige Wochen später verdrängt der Alltag diese Erinnerungen. Unser Ausflug in den Dschungel von Belize hingegen wird mit Sicherheit nicht Opfer dieses Alltagstrotts. Fast 9000 Kilometer Luftlinie von Saarbrücken entfernt liegt eine der größten erhaltenen Mayastätten der Welt. Zwar ist Lamanai längst nicht so besucht und berühmt wie andere großen Pyramiden und Tempelanlagen in Mexiko, doch genau das ist das Besondere! Nicht jeder war hier!

Mit dem Tenderboot aufs Festland

Belize Stadt verfügt über keinen tauglichen Seehafen für Kreuzfahrtschiffe. Deswegen gelangt man nur über Tenderboote ans Land. Die Schiffe ankern dabei einige hundert Meter auf hoher See. Die beiden Glasfaserkatamarane befördern zügig alle Urlauber aufs Festland. Warum das Tendern einige Tage später auf den Caymans mehrere Stunden dauerte, entzieht sich unserer Kenntnis.

Lamanai, was in etwa so viel bedeutet wie „untergetauchtes Krokodil“ beherbergte einmal bis zu 20.000 Einwohner. Selbst als im 16. Jahrhundert die Spanier Belize erreichten, wurde dieser mystische Ort am New River noch immer bewohnt. Über 3000 Jahre war Lamanai besiedelt, wobei die Hochzeit im 7. Jahrhundet stattfand. Herr Ku ist einer der letzten originalen Maya Belizes. Er setzt sich seit vielen Jahren für die Erforschung seiner Vorfahren ein.

Mit dem Schulbus ins Hinterland

Es ist immer wieder erstaunlich, wie klischeehaft ein Urlaub stattfinden kann. Da reist man ins hinterste Polen und ist plötzlich überrascht, dass alles soviel moderner als bei uns ist. Mit dieser Einstellung, dass es keine klassischen Klischees mehr gibt, geht man auch in der Karibik an Land. Doch hier ist noch alles beim Alten! Die Leute sind bunt angezogen. Sie klatschen überall und alle lachen und das nicht nur an Touristen-Hot-Spots.

So verwundert es dann auch kaum, dass man stilecht mit einem alten liebevoll gepflegten amerikanischen Schulbus auf Reisen geht. Dass der Fahrer in seiner Mittagspause seine Pfeife raucht und dadurch immer gut gelaunt ist, versteht sich dabei von selbst. Auch wenn dieser immer gut gelaunt war, war sein Fahrstil sehr sicher und erinnerte nicht an Hoteltransfers in der Türkei.

Die ersten Meilen fuhr unser grüner Schulbus von Belize Stadt Richtung Nord-Westen. Es erstaunt nur wenig, dass Belize wenig urbanisiert ist. Zum Glück, so entstanden sehr eindrucksvolle Momentaufnahmen. Auch wenn die Bilder ein wenig an verrufene Townships erinnern, ist Belize im Generellen relativ sicher.

Aber was hatten wir eigentlich bei Carnival gebucht?

Von der Reederei veranstaltete Touren und Aktivitäten sind meist sehr teuer. Oft bekommt man gleichwertige Touren oder Aktivitäten um ein vielfaches günstiger. Doch Vorsicht ist geboten! Man sollte sich zuvor auf jeden Fall über alle Eventualitäten informieren, denn eines ist garantiert, mit einer von der Reederei veranstalteten Tour verpasst Du auf keinen Fall die Abfahrt!

Es macht natürlich keinen Sinn, für einen Strandausflug $ 50 zu bezahlen, wenn Du auch selbst die 3 Meilen für wenige Dollar mit einem Taxi fahren kannst. Anders sieht dies schon bei einem richtigen Tagesausflug aus. In unserem Fall lag das Ziel mitten im Dschungel. Allein bis zum Schiffsanleger waren es knapp 80 Kilometer zu fahren. Über die Hälfte hiervon auf schmalen Schotterwegen durch den Urwald. Von da aus ging es dann noch einmal knappe 20 Kilometer mit dem Speedboot weiter.

Lamanai Mayan Ruins & River Boat Safari

Explore the ancient Mayan ruins of Lamanai which is one of the largest and most excavated Mayan Site in Northern Belize.
$ 124
99 für Erwachsene
  • Ausgangspunkt: Port Belize
  • Dauer: 6h
  • Aktivitäts-Level: Moderat
  • Mindestalter: 5 Jahre
  • Schnellbootstour: 2x 30 Minuten
  • Verpflegung: Mittagessen und Getränke
  • Führung: Geführte Tour mit Pyramidenbesteigung
  • Transfer: Busfahrt durch den Dschungel
Top

Über 100,-€ pro Person sind auf jeden Fall eine Hausnummer, aber sie lohnen sich total! Es war im Übrigen unser einziger Tagesausflug bei unseren vier Landaufenthalten. Alternativ hätten wir auch auf Cozumel einen Festlandausflug zu den weltberühmten Mayastätten machen können, doch die Wahrscheinlichkeit, irgendwann mal wieder nach Mexiko zu kommen, ist um ein vielfaches höher, als im Dschungel von Belize zu landen. In Cozumel stand daher ein Tag am Strand und in der Altstadt auf dem Plan.

Ein nicht ganz gewöhnlicher Weg...

Über sieben Brücken musst Du gehen… In Belize fährt man noch darüber. Es ist faszinierend, wie eng, verrostet und veraltet diese Brücken noch täglich ihren Zweck ertfüllen. Oft sind nur wenige Zentimeter nach allen Seiten Platz.

Am Stadtausgang von Belize Stadt gibt es noch ein Kuriosum. Man fährt praktisch über einen Friedhof. Oder besser gesagt, man legte einen Friedhof auf, in und neben der Straße an. Sogar die Verkehrsinsel war ein Grab.

Nachdem wir die Stadt und das Umland hinter uns ließen, fuhren wir einige Meilen durch die Savanne. Im November ist das Wetter warm und erträglich. Das Hinterland ist geprägt von der Land- und Forstwirtschaft. Immer wieder sieht man interessante Fotomotive und Tiere. Leider nimmt der enge Zeitplan darauf keine Rücksicht.

Mitten in der Savanne steht plötzlich eine große weiße Kuppel mit Mauern und Türmen drumherum. Hierbei handelt es sich um das belizianische Gefängnis. Fast alle Inhaftierten sollen Argentinier sein. Sei’s drum, wenn einer ausbricht, kümmert sich die Natur um ihn.

Angekommen im Dschungel

Es gibt viele Landschaften, die man unbedingt mal gesehen haben muss, das Hochgebirge, das Meer, die Wüste, das Watt und eben auch den Regenwald. Wir lassen nun einfach mal die Bilder für sich sprechen. Die Eindrücke sind ansonsten nur sehr schwer beschreiblich.

Mit dem Floß über den New River

Die Bootsfahrt dauert ab Ayin Ha etwa eine halbe Stunde. Der New River ist streng genommen gar kein Fluß. Das teilweise mehrere hundert Meter breite Gewässer beheimatet Krokodile, Fische und Schlangen. Durch das hohe Tempo war auch die tropische Hitze erträglich. 

Nach der abenteuerlichen Flußtour ging es endlich an Land. Noch ahnt man kaum, welch riesige Pyramiden dort auf uns warten würden. Man erinnere sich, wir sind im Regenwald, hier ist alles ein wenig größer und grüner!

Ein Blatt, so hoch wie ein Haus!

Belizes Urwaldflächen sind die heute am größten zusammenhängenden tropischen Wälder Mittelamerikas. Dort gibt es allein über 200 Orchideenarten und 500 Hölzer. Wie gigantisch sich die Natur im noch von der Industrie verschonten Land präsentiert, zeigt eindrucksvoll das riesige Blatt auf dem Bild.

Wenn der Affe brüllt!

Neben zahlreichen Pflanzenarten gibt es natürlich auch jede Menge exotischer Tierarten zu bestaunen. Neben Krokodilen und Pantern, die wir zum Glück nicht antrafen, leben vor allem Brüllaffen in den bis zu 40 Meter hohen Bäumen.

Affen sind keine Kuscheltiere, sie sind gar gefährlich. Aus diesem Grund sollte man sie auch nur aus der Ferne betrachten. Von dort aus geht auch keine Gefahr aus. Tu Dir und den Affen daher den Gefallen und lasse sie in Ruhe!

Der Mask-Tempel

So mystisch der Mask-Tempel (200 v. Chr.) auch wirkt, siehst Du auf diesen Bildern nur eine Nachahmung aus Glasfaser. Die original etwa 4 Meter hohen Köpfe befinden sich allerdings dahinter. Der Mask-Tempel ist einer der kleinsten Tempelanlagen in Lamanai.

Der Jaguar-Tempel

Der Jaguar-Tempel ist seinem Namensgeber gewidmet. Die beiden Jaguargesichter stammen aus dem 6. Jahrhundert n. Chr.. Im 15. Jahrhundert wurde der Tempel zum letzten Mal überbaut. 

Die 40 Meter hohe Pyramide

Das Highlight von Lamanai ist die große Pyramide. Wenige hundert Meter vom Jaguar-Tempel liegt die große Pyramide gut versteckt hinter Palmen, Bäumen und Lianen entfernt. Wer meinte, der Jaguar-Tempel sei bereits riesig, verfällt bei diesem 13stöckigen Bauwerk ins Schwärmen. Um die Würde und Kultur dieses Relikt nicht zu stören, wird darum gebeten, nicht die steilen Treppenstufen auf der Vorderseite zu nutzen. Diese sind religiösen Ritualen vorenthalten!

Um dennoch auf das „Dach“ zu gelangen, gibt es seit einiger Zeit eine Holztreppe am linken Rand. Die Treppe führt bis zu einem oberen Plateau. Die letzten Meter müssen dann jedoch direkt an der Pyramide überwunden werden.

Hat man es erst einmal geschafft, erwartet einen eine unvergessliche Ausblick über den mittelamerikanischen tropischen Regenwald. 40 Meter über dem Boden hat man einen ungestörten Blick über den New River und den Busch. 40 Meter ist fast so hoch wie der Berliner Reichstag.

Nach circa zwei Stunden ging es zurück zum Steg. Erneut fuhren wir mit hoher Geschwindigkeit über den New River. Lamanai ist auf jeden Fall etwas ganz Besonderes. Es ist unvergleichbar mit anderen Sehenswürdigkeiten. Alleine der Dschungel selbst ist ein Abenteuer wert. Lamanai befindet sich im echten Dschungel, nicht wie so manche TV-Show mit Teichfolien…

Auch die Mahlzeit ist im Preis enthalten

An der Bootsstelle Ayin Ha gab es nach der Tour noch eine Mahlzeit. Die belizianische Küche ist für Europäer gut verträglich. Es gab Reis, Hähnchen und Gemüse. Natürlich gab es auch bei Wunsch eine scharfe Sauce. Dafür, dass man auf der Carnival Splendor den ganzen Tag eh nur am Essen ist, reichte diese Mahlzeit für den langen Landausflug auf jeden Fall aus.

Gerade für mich als Griller und Schwenker gab es noch ein besonderes Souvenir! Ich gönnte mir drei original belizianische Chilisaucen, die es so garantiert nicht überall gibt.

Wo sind eigentlich die Maya hin?

In der Historie gab es immer wieder große Völker, die einfach verschwunden schienen. Bei den Mayas sieht dies nicht anders aus. Wer in Rom fragt, wo sind die Römer hin, bekommt wohl Gelächter, genauso wie in Griechenland, wo die Griechen hin seien. Es gibt aber auch tote Völker, die wirklich verschwunden sind. Die Hauptzeit der Maya war von 3000 v. Chr. bis 900 n. Chr.. Allerdings gibt es sie auch noch heute! Mister Ku, unser Reiseführer ist selbst einer der letzten Maya. Er lebte bis Anfang der 90er selbst noch vor Ort. Heute lebt er in Belize. Täglich lehrt er dutzende Touristen über die Bräuche und Kultur seines Volkes. Mit stolz erzählt er von den Lebensweisen und Errungenschaften dieser Zeit.

Lamanai wurde offiziell noch bis 1991 von den Mayas bewohnt, bis… Ja bis die Polizei das Gebiet räumte. Der Grund war angeblich, dass die Pyramiden denkmalgeschützt seien und niemand dort leben dürfte. Schon paradox, wenn ein Kulturgut vor der eigenen Kultur geschützt werden soll. Der wahre Grund lag wohl eher in dem Massentourismus. Mister Ku arrangierte sich hiermit und war somit fester Bestandteil zahlreicher Forschungsteams und führt heute Gruppen durch das naturbelassene Land.

Belize - Einfach unbelizeble!

Belize ist ein echtes Paradies, egal, ob Du in den Dschungel möchtest, tauchen gehen oder einfach die offene lockere Lebensart genießen willst. Belize ist einfach schön. Es ist etwas komplett anderes, als man in Europa vorfinden kann. Die Bevölkerung ist authentisch, sie spielt einem nichts vor. Auch wenn man mit einem Jahreseinkommen von etwa 8000 € bei uns nicht weit kommen mag, in Belize bekommt man hierfür schon ein eigenes Haus.

In Belize leben die glücklichsten Menschen der Welt!*

*Zumindest behaupten sie es von sich selbst! Da macht es auch nichts aus, dass Belize im World Happiness Report 2017 nur auf dem 50. Platz lag. Doch mal ehrlich, wer behauptet schon freiwillig von sich selbst, dass man glücklich sei?! Wir glauben es den Belizianern!

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