Obwohl Porto gerade einmal knapp 250.000 Einwohner hat, ist Porto nach Lissabon die zweitgrößte Stadt des Landes. Als Saarländer weiß man, dass Saarbrücken über die gleiche Einwohnerzahl verfügt, Porto hingegen wirkt jedoch tatsächlich als Metropole. Die zahlreichen kleinen Gässchen, egal ob in der beeindruckenden Altstadt oder direkt am Douro werden Dich verzaubern. Die kontroverse Mischung aus sauberen Straßen mit teils total zerfallenen alten ehemals herrschaftlichen Häusern wird Dich begeistern. Porto kann komplett zu Fuß erobert werden. Nur für ausgefallene Kultstätten musst Du auf Bus und Bahn zurückgreifen.

Die heimische Metropole

Empfehlenswert ist allerdings eine Fahrt mit der historischen Tram, es gibt dabei 3 Linien, die ausschließlich mit originalen alten Triebwagen aus dem 19. Jahrhundert betrieben werden. Der Preis betrug 2016 2,50 Euro pro Fahrt und Person:

  • Linie 1: Passeio Alegre nach Infante. Die Tram fährt am nördlichen Ufer des Douro von Infante über Alfândega und Massarelos bis zur Haltestelle Passeio Alegre in Foz do Douro. – Tipp!
  • Linie 18: Massarelos nach Carmo. Unterwegs kannst Du an der Haltestelle Massarelos dem Tram Museum von Porto einen Besuch abstatten.
  • Linie 22: Rundstrecke – Circular Carmo-Batalha

Bei unserem Tagesausflug nahmen wir die Linie 1 Richtung Meer. Von dort aus spazierten wir in sengender Hitze zurück zum Stadtzentrum. Sprich Petra aber besser niemals darauf an, denn an diesem Tag hat sich den schlimmsten Sonnenband ihres Lebens zugezogen… 

Was solltest Du auf jeden Fall tun?

Ich möchte Dich hier nicht mit klassischen Sightseeing-Tipps langweilen. Sämtliche Details findest Du bei Google. Vielmehr möchte ich Dir einen groben Rahmen geben, der interessant sein könnte.

Rathausplatz: Als wir damals da waren, war gerade Fußball EM. Anders als in Deutschland spürt man noch die Freiheit. Beim Spiel Deutschlang gegen Italien war der gesamte Platz offen, keine Absperrungen, keine Antiterroreinheiten oder sonstiges! Portugal ist sehr gastfreundlich und es besteht auch nur ein sehr geringes Terrorrisiko! Aber auch ohne Public Viewing lohnt sich dieser Platz.

Avenida dos Aliados: Die Prachtstraße Portos. Weltberühmte Statuen prägen hier das Bild der Straße.

Kathedrale und Kirchen: Liebhaber detailverliebter Kirchenbauten kommen in Porto voll und ganz auf ihre Kosten. Gerade die Verklinkerung der Fassade gibt jeder Kirche einen unverwechselbaren Charme. Um nur einige Namen zu nennen: Torre dos Clérigos, Igreja do Carmo, Igreja da Trindade, Igreja São Francisco oder die Igreja de Santo Ildefonso. (Blau verklinkerte Kirche, die wir fotografiert hatten) 

Porto
Typische Seitengasse in Porto

Museen:

Einen Spaziergang am Douro oder der Strandpromenade: Entweder steigst Du bei der Stadtrundfahrt rote Linie an der Haltestelle 28 Pergola da Foz aus und schlenderst Richtung Altstadt, alternativ könntest Du auch wieder an der Haltestelle 30 Pilotos einsteigen. Eine andere Variante wäre die Tramfahrt mit der Linie 1 Richtung Foz und ein langer Spaziergang zurück.

Die Altstadt zu Fuß: Einfach quer durch. Bewandere jede noch so kleine Gasse, viele Boutiquen, Restaurants und Fachgeschäfte erwarten Dich. Am besten beginnst Du am Ufer des Douro und schaffst Dich über steile enge Gassen oder Treppen langsam Richtung Miragaia. Auf zahlreichen Plateaus erhältst Du einen traumhaften Dioramenblick. Aber auch auf der Südseite gibt es eine interessante Fotostelle. Auf der Südseite oberhalb der oberen Überfahrt der Ponte Dom Luis I gibt es eine große Kirche in der Straße Largo Aviz. Von dort aus kannst Du besonders abends einen traumhaften Sonnenuntergang erleben. Du siehst dabei alle Sehenswürdigkeiten auf einmal.

Portugal
Romantischer Blick auf Porto
Ponte Dom Luís I bei Nacht

Eine Bootsfahrt auf dem Douro: Teilweise erhältst Du günstige Kombitickets zusammen mit der Stadtrundfahrt, ansonsten gibt es ab circa 15,- € diese Tickets auch einzeln. Gestartet wird am südlichen Ufer in der Nähe der weltberühmten Ponte Dom Luis I. Diese Brücke 1886 eröffnet und von Théophile Seyrig entworfen. Dieser baute bereits einige Jahre mit Gustave Eiffel zuvor die noch größere Fachwerkbrücke Ponte Maria Pia. Das Boot fährt anschließend weiter zu einer noch größeren Brücke. Eine der größten Spannbetoneisenbahnbrücken der Welt, die Ponte Infante D. Henrique. Du kannst währenddessen die steile Ansiedlungen am Hang des Douros bewundern.

Übrigens sind diese inzwischen verlassene Häuser am steilen Hang inzwischen durch großflächige Graffitis bekannt. Nicht durch Schmierereien sondern durch blutige Tränen aus den Fenstern. Dieser Protest gegen die Stadtverwaltung, übrigens ähnlich wie auch in Lissabon hat einen ernsten Hintergrund. Eine Mietpreisbremse ist zwar, betrachtet man München, eine tolle Sache, jedoch sollte man auch Realist sein. In Lissabon zum Beispiel durfte seit über 50 Jahren der Mietpreis nicht erhöht werden. Dadurch bezahlten viele Einwohner weit unter 50,- Euro monatlich. Ist man nun nicht gerade militanter Linker oder Grüner, versteht man auch, dass so eine Gebäudesubstanz kaum gerettet werden kann. Daher auch die vielen Ruinen ehemals großartiger Bauten. Zurück zu den weinenden Häusern an den Hängen des Douros… Hier zwang die damalige Stadtverwaltung vor einigen Jahren die Bewohner in moderne Plattenbauten umzusiedeln. Grund hierfür – nun ja, man weiß es nicht. Jedenfalls verfallen diese Häuser nun.

Weinende Häuser
am Hang des Douros

Und was gab es zu essen?

Ich ertapp mich oft selbst dabei, wie ich in den USA ohne zu murren, mal locker $ 50 pro Kopf und Mahlzeit ausgebe, in Griechenland, Spanien oder Portugal auf Preise achte. In Griechenland bekommt man teilweise ein ganzes Menu inklusive Wein und Getränk für gerade mal 10,- € pro Person. Ähnlich sieht es auch in Portugal aus. Da ich selbst kein Fischfreund bin, kann ich dazu auch nichts sagen. Zum Glück genießt der Portugiese auch gerne gutes Fleisch, daher war meine Woche gerettet. Nimm Dir einfach einen Grillteller und Du wirst alles haben, was Du brauchst.

Mal ehrlich, wie oft oder hast Du überhaupt schon einmal Portwein getrunken? Es gibt übrigens auch weißen! – Die wenigsten! Portwein hat bei uns ein eher angestaubtes Image, ähnlich dem Eierlikör. Likör ist ein gutes Stichwort, der Wein ist sehr dickflüssig und intensiv. Das Aroma übertrifft dadurch wahrscheinlich Deine Erwartungen. Der Portwein wird in der Region um Porto auch angebaut. Die klassischen Touristenrestaurants direkt am Douro gelegen, verfügen fast alle über eigene Weinkeller. Ein Blick hinein ist auf jeden Fall lohnenswert.

Porto bedeutet Hafen, kaum verwunderlich, wenn man sich die Lage am Atlantik betrachtet. In der Historie war Portwein eines der begehrtesten Genussmittel in ganz Europa. Hunderte Segelschiffe brachten das teure Gut in alle Länder. Ein Zollabkommen mit England verbrachte dem Portwein einen entscheidenden Vorteil. Denn der Portwein war dadurch deutlich günstiger als französischer Wein. Beobachtet man die aktuellen Zolldiskussionen zwischen den USA, der EU und China, bemerkt man schnell, dass schon vor hunderten Jahren Handelskriege den Konsum beeinflussten.

Wie ich bereits erwähnte, erinnerte mich das portugiesische an das griechische Essen. Wenig verwunderlich ist daher, dass die Griechen noch lange vor den Römern an der Stelle des heutigen Portos einen kleinen Handelsplatz namens Kalos errichteten. Die Römer übernahmen später diese Siedlung und bauten es zu einem großen Wirtschaftshafen aus. Da es gerade hierhin passt, auch wenn es nur bedingt mit dem Essen zu tun hat, muss gesagt werden, dass Porto stets ein gutes Verhältnis zum Königreich pflegte. Den Franzosen war dies jeher ein Dorn im Auge. Nach mehreren Schlachten befreiten die Briten Porto wieder von den Franzosen.

Porto

Wie erkundeten wir Porto?

Gewöhnlich erkunden wir eine neue unbekannte Stadt zuerst einmal mit einem Hop-on/Hopp-off Bus. Aktuell kostet die Tageskarte gerade einmal 15,- €. Eine solche Stadtrundfahrt führt meist an mehr oder weniger interessanten Hotspots vorbei. Anhand einer kostenlosen Tourkarte oder teilweise als Handy-App, bekommst Du sehr schnell einen Überblick. Wie der Name schon sagt, kannst Du in Porto an über 40 Haltestellen ein- und aussteigen. Schnell filtert man, was einen wirklich interessiert und was nicht. In Porto gibt es sogar mehrere Linien. Planst Du einen günstigen Wochenendtrip ab Luxembourg oder Hahn, empfehle ich Dir das 48h-Ticket. Damit sparst Du auch eventuelle öffentlichen Verkehrsmittel.

Der Anbieter City Sightseeing bietet eine rote und eine blaue Tour an. Die rote Tour führt Dich durch neuere Stadtteile und schließlich an der kilometerlangen prachtvollen Strandpromenade vorbei, bevor es in die nördliche Altstadt geht. Die blaue Tour hingegen ist eher kulturell geprägt und hat die älteren Stadtviertel am Douro im Blick. Besonders interessant ist auch die Bootsfahrt. Porto vom Wasser aus gesehen, ist gigantisch. So viele bunte Häuser, filigrane Fachwerkbrücken und eine der größten Betonspannbrücken der Welt.

Unseren Mietwagen stellten wir in einem kostengünstigen Parkhaus in der Nähe einer Bushaltestelle ab. Nachdem wir stundenlang Porto zu Fuß, per Tram und per Doppeldeckerbus erkundet hatten, schnappten wir unseren Mietwagen und fuhren gezielt Orte an, die nur mit großem Aufwand ansonsten erreichbar gewesen wären. Porto ist relativ autofreundlich.

Ich weiß, nicht alle Leser kommen aus dem Südwesten, ich erwähnte allerdings beide Abflughäfen, da von dort aus mehrere Fluglinien täglich mehrmals nach Portugal fliegen. Hintergrund ist, da ein Großteil der luxemburger Einwohner aus Portugal stammt. Flüge findest Du ab 10,- €. Der Flughafen OPO ist sehr modern und kompakt. Die meisten Autovermietungen sind allerdings außerhalb gelegen. Du gehst aber auch nicht weiter zu Fuß, als wenn Du in Frankfurt vom Gate bis zur Autovermietung gehen willst.

Wusstest Du, dass es in Porto mal einen Formel 1 Kurs gab?

Ja richtig! Es gab im Stadtteil Boavista im Jahre 1958 und 1960 den Großen Preis von Porto. Die Rundenlänge betrug 7,4km bei 50 Runden Renndistanz. Ähnlich dem Stadtkurs von Macau, wo heutzutage jedoch nur noch Formel 3 und Tourenwagenrennen stattfinden, ging es damals auch über Kopfsteinpflaster und Straßenbahnschienen. Gewonnen haben übrigens Stirlin Moss und Jack Brabham. 1959 versuchte man sich auf einem anspruchsvollen Parkkurs in der Lissabonner Innenstadt, bevor es später nach Cascais und Estoril ging.

Reicht ein Tagesausflug?

Wir mieteten damals in der Nähe von Viana do Castelo eine urige Natursteinwohnung mit eigenem großen Pool. Porto war lediglich ein Tagesausflug. Innerhalb von circa zehn Stunden konnten wir alle interessanten Hotspots abklappern, ohne dabei Stress zu haben. Das gesamte Deutschlandspiel, die beiden Bustouren plus die Bootsfahrt und ein tolles Mittagessen waren bereits mit dabei. Porto ist jedoch so vielfältig und kompakt, dass Du locker auch einige Tage dort verbringen kannst. Mehr als vier Tage sehe ich aber als nicht notwendig an.

Das Schlusswort:

Obwohl Portugal eines der größten Opfer der Eurokrise war, sieht man kaum Anzeichen davon. Die Stadt ist sehr gepflegt, gastfreundlich und sehr günstig. Oft erhältst Du Flüge weit unter 50,- €, Hotels kosten ebenfalls kaum etwas. Einen Mietwagen gibt es für ein Wochenende bereits ab 10,- €. Alternativ gibt es ein gut ausgebautes Bus- und Bahnnetz. 

Auch zum Shoppen eignet sich Porto. Auch wenn dies nicht unser Hauptaugenmerk war, entdeckten wir doch viele kleine interessante Fachboutiquen. Aber auch große Shoppingmalls findet man in den moderneren Stadtvierteln. Wage den zweistündigen Flug zum Rand Europas, Du wirst nicht enttäuscht werden!