Das Symbol des amerikanischen Traums

Es gibt weltweit nur wenige Wahrzeichen, die einfach jedem ein Begriff sind. Der Kölner Dom, die Oper von Sydney, der Zuckerhut oder die Pyramiden von Gizeh, allein die USA haben mit der Freiheitsstatue, Mount Rushmore und eben der Golden Gate Bridge eine Vielzahl an Symbolen für die Stärke und Größe ihrer Kultur.

1987 beim 50 jährigen Brückenjubiläum standen circa 300.000 Fußgänger gleichzeitig auf der Brücke, Weitere 500.000 Menschen warteten an den beiden Enden, die Brücke zu begehen. Durch das hohe Gewicht bog sich die Brücken etwa 2 Meter nach unten. Ursprünglich war die Brücke auf 4000 Pfund pro Fuß Länge ausgelegt. Das Gewicht der Besucher brachte jedoch etwa 5400 Pfund pro Fuß Länge auf die Fahrbahndecke. Nach einer Modernisierungsmaßnahme kurz zuvor wurde allerdings die höchste Flächenbelastung auf 5700 Pfund erhöht. Kurz nach dem Jubiläum stand die ganze Feierlichkeit hierdurch in der Kritik. Die damals zuständige Stelle verwies auf die 1,5 fache Sicherheit in der Auslegung der Brücke. Nicht zu bestreiten war am besagten Tag die kritische Situation als sich die von beiden Seiten nähernden Personenströme in der Mitte trafen und kein Vor und Zurück mehr möglich war. Der mit knapp 40 Meilen tobende Seitenwind setzte dem Ganzen dann noch die Krone auf.

Definitiv stolze Maße

Auch wenn die 2737 Meter lange Hängebrücke über das Golden Gate zum Pazifik hin nicht die längste Brücke San Franciscos ist, ist sie dennoch die wohl berühmteste Brücke der Welt. Auch die 67 Meter Fahrbahnhöhe bei Flut wirft einen heute nicht mehr vom Hocker. Als im Jahre 1933, 50 Jahre nach der ersten Idee, die Bay zu überbrücken, wirklich der Startschuß zum Bau gegeben wurde, glaubte kaum jemand an den Erfolg. Die Planer Joseph B. Strauss, Charles A. Ellis, Irving F. Morrow sollten jedoch Recht behalten, dass es möglich sei. Bereits 1937 konnte die gigantische Hängebrücke über die Bay eröffnet werden.

Straßenmaut bei Stadteinwärts!

Zwar sind die meisten Straßen in Kalifornien von einer Maut befreit, große Brücken kosten allerdings. Zum Glück aber hier nur Stadteinwärts! Beachte bitte, dass es in den USA von jetzt auf gleich kosten kann. Es ist nicht üblich, dass die letzte Ausfahrt vor dem Mautbeginn speziell gekennzeichnet ist. Im Falle der Golden Gate Bridge gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Maut zu entrichten. Es ist aber auf keinen Fall mehr möglich, vor Ort an den Mauthäuschen zu zahlen. Wie Du heutzutage vorab oder auch nachträglich bezahlen kannst, erfährst Du unter diesem Link! Alternativ kannst Du Dir für Deinen Roadtrip auch direkt das PDF mit Mautanleitung hier herunterladen.

Wir entschieden uns im Sommer 2018 für die nachträgliche Zahlung per Nummernschild und Kreditkarte. Aktuell kostet die Stadteinfahrt $ 8. Alle aktuellen Mautgebühren erfährst Du hier. Kommst Du von Süden und möchtest zum Beispiel Richtung Seattle, kostet Dich die Überfahrt also keinen Cent.

Inzwischen hat wahrscheinlich jeder in seiner eigenen Umgebung eine einsturzgefährdete Brücke. Was in Saarbrücken die Fechinger Talbrücke ist, ist bei Köln die Rheinbrücke Leverkusen und die Tragödie von Genua sollte auch jedem bekannt sein… Auch die Golden Gate Bridge stand durch diverse Vorfälle und Naturgewalten stets auf dem Prüfstand. Um dem immer schwerer werdenden Belastungen durch Verkehr und Umwelt gerecht zu werden, wurden seit den 1950er regelmäßig Instandhaltungsarbeiten durchgeführt. So wurden unter anderem die Hängeseile alle getauscht, zusätzliche Schwingungsdämpfer installiert und die klassische Betonfahrbahn durch eine 11.000 Tonnen leichtere Hohlbauweise ersetzt. 

Bei Nacht ein wahres Erlebnis.

Es gibt weltweit viele ähnliche Brücken. Zwei Brücken, die regelmäßig mit dem „Original“ verwechselt werden, ist die knapp größere Ponte 25 de Abril in Lissabon und die Bosporus Brücke in Istanbul, welche Europa mit Asien verbindet. Letztere hat sogar mehr mit der Golden Gate Bridge zu tun als man vermuten würde. Denn zu Zeiten des Goldrausches betitelte Captain John C. Frémont das 1,6 Kilometer breite Tor zwischen der San Francisco Bay und dem Pazifik als Golden Gate. Captain John C. Frémont sah nämlich eine große Ähnlichkeit zum Goldenen Horn in Konstaninopel. Genau die Meeresstraße, über die heute die Bosporus Brücke führt.

Die stürmischste Art...

Mit dem Doppeldeckerbus und dem PKW ist die Brücke definitiv schon ein Erlebnis, wer aber die Naturgewalten in der Bay-Enge hautnah erleben möchte, sollte eine Schifffahrt buchen. Wir erinnern uns, 30 Minuten zuvor waren wir noch in der City von San Francisco bei knapp 30°C und Sonne. Eine Meile weiter in der Bucht schlagen Meter hohe Wellen über die Rehling. Wer schon einmal bei Sturm auf einer Nordseefähre war, weiß von was ich rede. Die Fahrt zur Brücke war im Juni, bereits im November flogen wir erneut nach San Francisco um Alcatraz zu besichtigen. Der Unterschied war, das Wetter und die See im November deutlich milder waren. 

Seit Eröffnung der Golden Gate Bridge fanden schätzungsweise 1600 Menschen durch Suizid den Tod. Immer wieder wurde diskutiert, das nur 1,2 Meter hohe Brückengeländer zu erhöhen, um den Suizid immerhin zu erschweren. Neben den etwa $ 50 Mio. Kosten war vor allem die Ästhetik Grund hierfür, nichts am Geländer zu ändern. Allerdings wird zur Zeit ein nach beiden Seiten 7 Meter breites Fangnetz unter der Fahrbahn installiert. Kosten hierfür betragen ebenfalls weit über $ 50 Mio.. Zusätzlich wurden in regelmäßigen Abständen Notfalltelefone installiert, die mit professionellen Hilfestellen verbinden.

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Naturgewalten pur!

Was für uns auf jeden Fall völlig neu und unbekannt war, waren die dutzenden Mikroklimazonen in San Francisco. Was ist das? Stell Dir vor, Du wohnst in einer mittelgroßen Stadt, bei Dir zu Hause sind 30°C und Sonne, Dein Freund wohnt gerade einmal 500 Meter von Dir weg, bei ihm sind es aber 18°C und Regen. Und 15 Minuten später ist es genau umgekehrt. Rennbesucher des Nürburgrings kennen dies vielleicht. Als wir 1999 beim Grand Prix auf dem Nürburgring waren, hat die Sonne geschienen, zumindest bei uns in der Dunlop-Kehre. Bei Start/Ziel regnete es in Strömen. 30 Minuten später kamen gar die ersten Schneeflocken. Plötzlich wieder Sonne… Am Ende siegte übrigens das Stewart Team. 

Durch die Buchtenge zum Pazifik und kleinere Höhenunterschiede entstehen also mehrere kleinere Klimazonen in einem kleinen Umkreis. Auf der 60 minütigen Stadtrundfahrt hatten wir zwischen dichten Nebel an der Golden Gate Bridge und Sonne und Regen in der City alles.

Extrem wurde es allerdings, als wir gegen Abend noch einmal über die Golden Gate Bridge fuhren, um von der Nordseite aus Fotos aufzunehmen. Wir flogen wirklich fast weg! Selbst unser fast 3 Tonnen schwerer Cadillac wurde davon nicht verschont.

Ich bin zwar ein Fan von Fliegen, schnellen Autos, aber irgendwie hab ich es nicht so mit Brücken zu Fuß. Zwar arbeitete ich mal am Hochofen in über 60 Meter Höhe, aber irgendwie sind die 67 Meter auf einer Böhen durchfluteten Stahlkonstruktion nicht meins. Wer dennoch gerne auf dieses knapp 3 Kilometer langes Abenteuer nicht verzichten möchte, kann dies alleinig auf der zur Bay ausgerichteten Seite tun.

Übrigens, es ist kein ROT! Die Farbe der Golden Gate Bridge heißt „International Orange“! Der korrekte Farbton in HEX lautet: #F04A00. Übrigens wird die Brücke ständig gestrichen. Es dauert mehrere Jahre bis die komplette Brücke gestrichen ist. Allerdings wird heute gesprüht, Pinsel gehören längst der Vergangenheit an. Übrigens der orange Rahmen um diesen Text ist der Originalfarbton der Brücke. In echt sieht man es auch. Bei Fotos bearbeitet man sie allerdings eher rötlich, da sonst jeder meint, es sei falsch belichtet.

Plan auf jeden Fall mindestens zwei Tage für San Francisco ein. Allein schon um die Golden Gate Bridge mindestens einmal in voller Pracht zu sehen. Die halbe Zeit versinkt sie nämlich in Nebel oder im Dunst der See. Das zweite Problem wird sein, finde den richtigen Standort, um sie auch in voller Pracht sehen zu können.

Übrigens wird durch Verschieben der Mittelleitplanke der Rush-Hour entgegen gewirkt. Zweimal täglich kommt ein Spezialfahrzeug zum Einsatz, dass die Betonmittelplanke verschiebt. Dies geschieht während des regulären Verkehrs. Lediglich als vor wenigen Jahren die Plastikpfosten durch eine starre Betonplanke ersetzt wurden, war zum allerersten und einzigen Male die gesamte Brücke für einen Tag gesperrt. Zuvor wurden mehrmals täglich per Hand Plastikpfosten in Mitte der Fahrbahn umgesteckt, umso die Anzahl der Ein-und Ausfahrspuren zu verändern. Durch diese Plastikpfosten bestand allerdings kein wirklicher Schutz des Gegenverkehrs.

San Francisco und der Highway 1 sollten auf keinen Fall in Deiner Urlaubsplanung fehlen. Auch wenn es Dich nicht nach Richtung Norden zieht, befahre einmal die Brücke! Direkt am Ende der Brücke gibt es eine Abfahrt. Der große Parkplatz direkt am Ende ist jedoch die meiste Zeit nur für Reisebusse zugelassen. Du fährst einfach der Ausfahrt hinter dem Vista Point nach und orientierst Dich wieder zurück Richtung San Francisco. Kurz vor der eigentlichen Auffahrt geht es rechts den Hang hinauf zu diversen Aussichtsplattformen. Beachte aber, dass Camping am Straßenrand und auch das nächtliche Parken meist verboten sind. Es wird regelmäßig kontrolliert.

Bereits wenn Du von South San Francisco über den Highway kommst, siehst Du die majestätischen Türme der Brücke hoch über der Stadt. Ein Tipp von mir, vergleiche immer zuvor online alle Bus-Angebote, Schifffahrten und sonstige Atrraktionen. Der ausgehängte Preis am Ticketschalter ist oft ein Mondpreis. Online oder auch über Gutscheinhefte in den Hotels erhälst Du locker mal bis zu 70% Rabatt! Wir nutzten für San Francisco den Go San Francisco Card – Explorer Pass. Noch billiger gab es ihn über KLOOK.com! Real sparten wir etwa 50% zum Preis vor Ort.

Nirgends spürst Du mehr Meer als hier! Der ungemütliche kalte Wind, die Großstadt am Horizont und ein oranger Riese dazwischen – Das alles ist die Golden Gate Bridge! Ein Bauwerk für die Ewigkeit, dass Kalifornien näher zusammen wachsen ließ. Täglich nutzen 120.000 Fahrzeuge diese bequeme Möglichkeit, die rauhe Bay zu überwinden.

Auch wenn die Brücke nach heutigen Maßstäben nichts besonderes mehr darstellen mag, war sie dennoch eine Pionierleistung! Insgesamt ließen bei dem $ 35 Mio. Projekt 11 Menschen ihr Leben. Gerechnet wurde zuvor gar mit 35 Toten. Nach heutigen Maßstäben hat die Brücke einen Wert von knapp $ 700 Mio.

Du musst sie auf jeden Fall einmal gesehen und gespürt haben!