Hong Kong. New York. Florida. Alles lohnende Reiseziele aus unserer Vergangenheit. Aufwendige Reisen; aufregende Urlaube. Doch längst nicht so aufwendig und mit zahlreichen Pannen und Überraschungen gespickt wie unser 24 Stunden Kurztrip nach Krakau. Wo soll ich nur beginnen? Wohl am besten beim Anfang! Von Saarbrücken aus sind wir in Richtung Frankfurt, übrigens einer Partnerstadt Krakaus, gestartet. Etwas zu spät, weil ich morgens wegen einer nächtlichen Migräneattacke nicht ganz fit war. Es ging also direkt gut los. Dennoch waren wir pünktlich am Flughafen. Der Flug nach Polen verlief anschließend reibungslos. In der südpolnischen Stadt angekommen, haben wir unseren Mietwagen in Empfang genommen. Es war ein kleiner Fiat Panda. Erst waren wir angenehm überrascht gewesen, immerhin waren wir nie zuvor am Flughafen per Namensschild in Empfang genommen und zum Mietwagen gebracht worden. Doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuße. Der Mietwagenbetreiber erklärte uns freundlich, dass er am morgigen Sonntag geschlossen habe und der Preis daher ein anderer sei. Selbstverständlich höher wegen des zusätzlichen Aufwands. Konkret bedeutete das: 40 Euro weniger in der Kurztrip-Kasse und Zeitverzögerung von fast 40 Minuten, weil wir uns den höheren Betrag telefonisch von unserem Mietwagenvermittler bestätigen lassen wollten. Das Ergebnis war, dass der Mietwagenanbieter recht hatte. Wir streckten die 40 Euro erst mal vor, da wir den Wagen sonst nicht bekommen hätten. Zu Hause müssen wir uns dann um die Rückerstattung kümmern.

Krakau - Polens heimliche Hauptstadt

Ein Rathausturm ohne Rathaus und die Tuchhallen von König Kasimir

Doch erst mal ging es endlich los. Nämlich direkt ins Hotel, um die Koffer abzugeben und uns für die Stadtbesichtigung kurz frisch zu machen. Zum dritten Mal in Folge haben wir in einem Ibis Budget Hotel (Köln: Ablug nach Florida,  Paris: Silvester) übernachtet. Das ist absolut zu empfehlen! Es ist preisgünstig, sauber und die Anmeldung funktioniert reibungslos. Wir beschlossen spontan, den Mietwagen auf dem hoteleigenen Parkplatz stehen zu lassen, denn in Richtung Krakauer Hauptmarkt ist es nicht weit. Zu Fuß waren wir nach nicht einmal zehn Minuten da. Die Marienkirche ist eine römisch-katholische Basilika und gehört zu den Wahrzeichen Krakaus. Beeindruckt hat uns das prächtige Innenleben: für katholische Kirchen typischer Prunk in Gold mit prächtigem Gewölbe. Die beiden Kirchtürme sind überraschenderweise unterschiedlich hoch – 81 Meter und 69 Meter. Am äußeren Seiteneingang befindet sich sogar noch ein Pranger: Übeltäter wurden hiermit an die Kirche gekettet und somit vorübergehend Schimpf und Spott der übrigen Bevölkerung ausgesetzt. Schräg gegenüber der Marienkirche steht der einsame Rathausturm. Das Rathaus gibt es nicht mehr, da es im 19. Jahrhundert wegen Baufälligkeit abgetragen wurde. Doch der Turm ist aus dem 13. Jahrhundert erhalten und beherbergt eine Sammlung von Uhren aus dem 16. Jahrhundert. Hier oben kann man bereits einen schönen Blick auf die Tuchhallen werfen. Deren Originalbau im gotischen Stil stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde vom damaligen polnischen König Kasimir dem Großen veranlasst. Im Jahre 1555 brannten die Tuchhallen jedoch nieder und wurden anschließend im heute noch zu bewundernden Renaissancestil wiederaufgebaut. Das Tonnengewölbe mit umlaufender Attika und den flachen Arkaden lädt zum Bummeln und Staunen ein. Früher wurden hier nur Tücher gehandelt; heutzutage sind die Tuchhallen eine gute Gelegenheit für Einkaufsbummel, Kunstbesichtigungen und Café-Besuch.

Kurztrip nach Krakau
Der Barbakan (vorgelagertes Verteidigungwerk) in Krakau gilt als der größte erhaltene Barbakan Europas.
Sehenswürtigkeiten
Hauptmarkt in Krakau, im Hintergrund die Tuchhallen.
Saarland Bloggerin
vor der Marienkirche in Krakau
Der öffentliche Konsum von Alkohol ist in Polen verboten.
Rathausturm in Krakau
Rathausturm ohne Rathaus
Polen im Januar
Florianskirche, einer der ältesten Krakauer Kirchen
eine Straße in Krakau
Krakau Städtetrip
Krakauer Tuchhallen bei Nacht
Kurzreise
Frau Schirra bloggt...
Krakau
Jan Alojzy Matejko war ein bedeutender Historienmaler Polens

Polnisches Nachtleben mit Pierogi und korinthischen Säulen

So verging die Zeit recht schnell, und es wurde dunkel. Bevor wir uns ins Nachtleben von Kazimierz stürzten, stärkten wir uns mit herrlicher, authentisch polnischer Küche bei Chłopskie Jadło. Das ist eine polnische Restaurantkette, die wegen ihrer rustikalen Speisen besonders bei Einheimischen beliebt ist. Touristen wie wir können sich hier an deftiger polnischer Küche satt essen. Die Portionen sind üppig, das Ambiente urig, die Bedienung ist nett und schnell. Und die Preise sind schlicht unschlagbar. Pierogi, Roulade mit Roter Bete und Kohlroulade sind einfach unheimlich lecker! Und ein Verdauungswodka gehört zum Abschluss immer dazu. Nach dem üppigen Mahl ging es zunächst zurück ins Hotel. Etwas ausruhen und den nächsten Punkt auf unserem Kurztrip-Plan angehen. Zuhause hatte ich mir schließlich Gedanken darüber gemacht, was ich in dieser kurzen Zeit unbedingt besuchen möchte: das Oskar Schindler Museum, gemeinsam mit einer dortigen Führung. Das wollten wir nach der kurzen Verschnaufpause angehen. Hinbringen sollte uns der Mietwagen. Doch der sprang einfach nicht mehr an! Kein einziges Licht leuchtete mehr. Da uns die Zeit davon lief, entschieden wir uns dazu, ein Taxi zu nehmen. Dafür liefen wir einfach an der Straße entlang und fanden so schnell eines. Die Taxifahrerin brachte uns schließlich pünktlich zum Ziel. So weit, so gut. Doch beim Museum war alles dunkel! Obwohl wir eine schriftliche Reservierung hatten, gab es keine Führung. Was hier schief gelaufen ist, weiß ich bis heute nicht. Wir standen also im dunklen Krakau und die Taxifahrerin samt Taxi war inzwischen auch weg. Also zurück zur Hauptstraße, um dort erneut ein Taxi an der Straße abzufangen. Taxi rufen per Hand heben – das wollten wir doch schon immer mal machen! Und das klappt in Krakau tatsächlich!

Essen in Krakau
Vorspeise (kostenlos)
Chatopskie jadto
leckere Brotsuppe
Chatopskie jadto Krakau
Hauptgang
Blogger Saarland
Unser Hotel in Krakau
Mietwagen in Krakau
Unser kleiner frecher Mietwagen
Mietwagen tanken

Während wir uns in den Stadtteil Kazimierz bringen ließen, telefonierte Michael erneut mit dem Mietwagenvermittler. Das verlief zwar ganz entspannt, denn wir vereinbarten, dass erst am nächsten Tag ein Autotausch stattfinden würde. Doch die Unsicherheit und das Herumtelefonieren an sich waren durchaus ein wenig nervig. Für einen Kurztrip am Wochenende trägt das nicht zur Entspannung bei! Aber das Krakauer Nachleben ließen wir uns davon selbstverständlich nicht verleiden. Meine noch zu Hause geplante erste Anlaufstelle hieß „Singer“. Dabei handelt es sich um eine Bar, wo an den berühmten Nähmaschinen der Marke Singer Drinks genossen werden können. Trotz vier Anläufen war jedoch immer alles besetzt. Ist eben leider sehr beliebt. Also wurde es nicht das Singer; dafür gibt es hiermit zwei andere Empfehlungen. Wirklich gut hat es mir in der „Eszeweria Bar“ gefallen, doch auch hier: keine Chance auf einen Sitzplatz. Also landeten wir schließlich im „Kraina Szeptow“. Und was für in Glücksfall das war! Unten ist es eine fast normale Kneipe, aber das Ambiente im oberen Bereich ist einfach traumhaft: Stuck, alte Türen, angedeutete korinthische Säulen und interessante Kunst an den Wänden – hier haben wir es uns gut gehen lassen. Mit schmackhaften Cocktails und diversen warmen Getränken. Gut, in Polen sind sie mit dem Rauchverbot in Kneipen noch nicht so weit wie in Deutschland, das war auch durchaus unangenehm, denn die Kleidung stinkt nach dem Besuch schon sehr nach kaltem Zigarettenrauch. Aber für die Atmosphäre kann man das schon mal ertragen. Die im Internet so hochgelobte Empfehlung „Alchemia Bar“ fand ich persönlich nicht wirklich toll. Es war düster, und die kahle Einrichtung lud nicht gerade zum längeren Verweilen ein. Auch die „Wodka Café Bar“ traf nicht ganz meinen Geschmack und das lag keinesfalls an den angereichten Getränken. Sie passte einfach nicht zu uns. Danach ging es zu Fuß zurück ins Hotel: als stimmungsvoller Tagesabschluss erneut über den schön beleuchteten Hauptmarkt, vorbei an herrlichen Häuserfassaden.

Kraina Szeptów
Ausgehen in Krakau
gemütlich im Kraina Szeptów
Nachtleben in Krakau
Lass Dich von Äußerlichkeiten nicht abschrecken, die Eszeweria Bar ist empfehlenswert.
Krakau bei Nacht
Krakauer Hauptmarkt im Januar 2018

Eine Lagune mitten in der Stadt

Bereits um 8 Uhr wurde das Auto repariert. Ein Tausch war nicht nötig, denn der Übeltäter hieß Batterie. Zum Frühstück ging es zu meinem heißgeliebten „Green Nero Café“, es befindet sich direkt quer auf der anderen Straßenseite von unserem gebuchten Hotel. Bereits bei unserem Wochenendtrip nach Waschau haben wir diese Kette kennen und schätzen gelernt. Danach fuhren wir zur Burg Wawel. Die befindet sich mitten in der Stadt, war früher Residenz der polnischen Könige und gehört gemeinsam mit der Krakauer Altstadt zum Weltkulturerbe der UNESCO. Eigentlich ist der Wawel eine Erhöhung mitten in der Stadt, auf der eine Burganlage thront, deren heutige Gestalt in über tausend Jahren Bauzeit mit Elementen der Romanik, Gotik und Renaissance gewachsen ist. Dazu gehören ein grüner Innenhof, ein romantischer Arkadenhof, viele Türme und Tore, Burgmauern und ein alter Höhlengang. Auch heute war es eiskalt, aber die Sonne schien, und der Himmel war strahlend blau. Mit der richtigen Kleidung kann man auf der Burg Wawel gut einen ganzen Tag zubringen. Am Fuß der Burg entdeckten wir bei deren Umrundung sogar einen Drachen, der etwa aller fünf Minuten kurz Feuer spuckte. Ein überraschender und imposanter Moment, den ich filmen wollte, doch leider hatte ich den Einsatz verpasst. Immerhin hat Michael das feuerspeiende Monster wenigstens auf dem Bild verewigen können. Erkennst Du die Flamme auf den Bildern? Schau mal genau, dann waren es immerhin keine unnötigen fünf Minuten in der klirrenden Kälte.   

Nun musste es aber schnell gehen mit der Besichtigungstour, bevor wir zurück zum Flughafen fuhren. Der Vorteil eines Mietwagens ist, dass man fast überall schnell hin kommt! Unsere letzte Station hieß Zakrzówek-Lagune. Das ist noch immer ein Geheimtipp, auch wenn es nur etwa 15 Minuten Fahrzeit vom Krakauer Stadtzentrum entfernt ist. Die Lagune ist durch das Fluten eines Kalksteinbruchs entstanden. Hier kann man dem Trubel der Stadt ein wenig entfliehen, im Sommer im eigens dafür abgegrenzten Bereich baden und ganzjährig schöne Fotomotive finden. Bei der Ankunft mussten wir feststellen, dass die Lagune mit einem Zaun abgesperrt ist. Doch echte Fotoliebhaber und Reiselustige sind für solche Dinge gerüstet! 

Wawel Schloss
Burg Wawel in Krakau
Wawel Schloss
Krakau
Krakau
polnische Volkssage
Der Wawel Drache.
Krakau
Der feuerspeiende Wawel Drache!
Zakrzówek-Lagune. Die Lagune ist durch das Fluten eines Kalksteinbruchs entstanden. Hier kann man dem Trubel der Stadt ein wenig entfliehen.
Krakau

Fazit: Krakau in 24 Stunden lohnt sich, wenn man flexibel ist und solche Reisen nicht als Staatsakt sieht. Sprich: Reisen und Fliegen dürfen nicht als stressig empfunden werden, sondern als Teil des Wochenendtrips! Wir haben viel gesehen und schon einen kleinen Eindruck von der Stadt gewinnen können. Im Sommer wollen wir hier unbedingt noch mal hin. Wir lieben diese kleinen Minitrips, die die Zeit auf den großen Urlaub verkürzen und das Fernweg stillen.

Viel Spaß bei Deinem nächsten Kurztrip! 

Petra