Chalkidiki? Kriopigi? Vermutlich lächelst du auch bei diesen Ortsnamen.
Für eine einwöchige Urlaubsreise suchten mein Partner und ich eine sonnenverwöhnte Destination, die relativ schnell zu erreichen ist, schöne Strände bietet, in heutigen Zeiten sicher und dazu offen und gastfreundlich ist. Griechenland war von Anfang an unser favorisiertes Reiseziel und dieses Mal entschieden wir uns für die drei Finger von Chalkidiki.

Chalkidiki liegt im Norden von Griechenland. Eine Halbinsel mit drei Landzungen die sich Fingern gleich in die nördliche Ägäis erstrecken: Kassandra im Westen, in der Mitte Sithonia und im Osten die mystischen Halbinsel Athos mit dem gleichnamigen Berg und der Mönchsrepublik. Wer das echte Griechenland erleben möchte, der besucht die Chalkidiki. Endlose Sandstrände, verträumte Buchten und idyllische Fischerorte prägen die Küsten. Zum Glück sind nicht alle Regionen vom Massentourismus entdeckt. Und besonders in Zeiten der griechischen Krise gibt es viele Strände, an denen man frei ist von jeglichem Tourismus-Trubel.

Ursprünglich sollte uns die Sonne den Bauch und den Nasenrücken kitzeln und wir wollten uns kaum vom Fleck bewegen. Doch die Gegend ist viel zu schön, um von morgens bis abends faul im Sand zu liegen.


Die Anreise in ein Land voll herzlicher Gastfreundschaft

Von vielen der großen deutschen Flughäfen setzt man nach nur rund 2,5 Stunden Flugzeit mit einem Low-Cost Anbieter in Thessaloniki auf. Unser Ryanair Flieger hob spät nachmittags am Flughafen Hahn ab. Zielflughafen: Thessaloniki, die Hauptstadt der nordgriechischen Region Makedonien und ganz nah dran am ewigen Blau der nördlichen Ägäis. Um vollkommen flexibel und unabhängig zu sein, hatten wir vorab einen kleinen, wendigen und preiswerten Mietwagen gebucht. Die Übergabe am Flughafen erfolgte problemlos und ziemlich unbürokratisch.

Vom Flughafen Thessaloniki haben wir nach etwa 80 Kilometer in einer guten Stunde unser Hotel Medusa in Kriopigi erreicht. Das Dorf liegt an einem Berghang und vom Hotel hat man, je nach Zimmerlage, einen herrlichen Blick über das Meer. Bei unserer Ankunft schlug uns in dem Familienbetrieb eine wunderbar authentische Gastfreundschaft entgegen. Der Empfang war überaus herzlich – und in Deutsch! Daphne, so hieß unsere Gastgeberin, ist Tochter eines griechisch-deutschen Ehepaars und erklärte uns alles notwendig Wissenswerte. Es war eine absolute Wohlfühlatmosphäre. Und das von der ersten Minute an. Im Hotel Medusa fühlt man sich umsorgt und geborgen. Und auch in der Ausstattung stimmt alles. An den zwei großen „B‘s“ Bett und Bad gab es nichts auszusetzen, alles war frisch und sehr sauber. Das geräumige Zimmer die einfache Einrichtung boten alles, was unseren Ansprüchen entsprach. Auch bei großer Hitze konnten wir Dank der Klimaanlage bestens schlafen. Das WLAN in der Lobby funktionierte einwandfrei und wir hatten sofort Kontakt in das weltweite Netz. Unsere Recherche in diversen Bewertungsportalen hatte uns definitiv auf den Weg zu dem für uns richtigen Hotel geführt.

Leere Strände – des einen Leid des anderen Freud

Nach der Anreise schliefen wir gut und lange und genossen am Morgen das Frühstück, das wir nicht gebucht hatten. Wir lieben es flexibel und zu buchen kann man immer. Dann hieß es, unseren Urlaubsort zu erkunden. Uns fielen in Kriopigi sofort die Tavernen auf, in denen viele freie Plätze auf Besucher warteten. Auch der mit dem Auto (Fahrzeit ca. 5 Minuten, inklusive Parken mit Meerblick, wie fast überall in Griechenland!), einem Shuttle-Service oder auch zu Fuß erreichbare herrliche Sandstrand über dem eine blaue Flagge die hervorragende Wasserqualität anzeigte, war nach unserem Empfinden wohltuend leer. Wie wir später erfuhren, sahen unsere Gastgeber das ganz anders. „Die Strände sind leer, weil sich die Menschen aus den großen Städten wie Athen oder Thessaloniki einfach keinen Strandurlaub mehr leisten können. Vor der Krise war hier alles voll, jetzt bleiben die Betten in den Hotels und die Stühle in den Tavernen oft unbesetzt“, klärt uns unser Gastgeber mit trauriger Miene auf.

Das hätte ja eine Erklärung dafür sein können, dass sich der griechische Hotelier so liebevoll um uns kümmern konnte. Ist es aber nicht, denn die Griechen besitzen in jeder Situation und Lebenslage eine von ganzem Herzen kommende ehrliche Gastfreundschaft und Lebensfreude, die wir so noch in keinem Urlaubsland kennen gelernt haben.

paralia dionisiou beach
Paralia Dionisiou

Kassandra – der westliche Finger des Urlauberparadies Chalkidikis

Mit unserem Mietwagen ging es dann einmal rund um Kassandra.
Das Tor zu dem westlichsten der drei Finger Chalkidikis ist die kleine Stadt Nea Potidea. Hier ist der Finger nur einen Kilometer breit und ein smaragdgrün glitzernder Kanal verbindet die beiden Küstenlinien. Einzigartig war der Besuch der Bayamo Bar, die frei über dem Meer hängt.

Bayamo Bar

Nea Potidea
Nea Potidea

In der Mitte der Halbinsel zieht sich ein Bergrücken von Nord nach Süd. Von ihm gibt es herrliche Panoramablicke auf die weniger touristische Westküste oder auf die Sandstrände der Ostküste. Für uns ist die Lagoon Glarokampos mit ihrem Strand ein gigantisch schöner Ort. Leider haben hier unverbesserliche Zeitgenossen ihren Müll liegen lassen, aber die vielen Fotomotive entschädigen uns.

Naturhafen Lagoon Glarokampus

Strand Lagoon Glarokampus

Panoramablick auf den heiligen Berg Athos.

Weiter ging es nach Paliori Beach. Ein sehr schöner, gepflegter Strand, mit zahlreichen Wassersportangeboten. Hier kommt keine Langweile auf. Ruhig hingegen geht es am Paliori Beach in Porto Balitsa zu.

Paliori Beach.

Paliori Beach in Porto Balitsa
Paliori Beach in Porto Balitsa

Nach den Strand besuchten wir die Dörfer Paliori und Skioni. Paliori ist uns sofort ans Herz gewachsen. Mit seinen kleinen malerischen Gassen und der vielfältigen Gastronomie ein absoluter Reisetipp. Genauso stellt man sich ein kleines griechisches Dorf vor.

Skioni liegt direkt am Meer und lockt mit wunderbaren Tavernen. Wir haben uns im Restauratnt Anemoni verwöhnen lassen und waren bei der Abrechnung über den niedrigen Preis überrascht. Vom Observation Point Pavillon hat uns der tolle Ausblick auf das Meer erfreut und das Schwefel Thermalbad (unten rechts im Bild) für uns entdeckt. Ein lohnenswertes Ziel, das wir an einem regnerischen Tag auch besucht haben. Der schwefelige Geruch nach faulen Eiern ist allerdings schrecklich. Und solltest du je ein solches Bad besuchen, denke bitte daran deinen Silberschmuck abzunehmen, da er sonst schwarz einfärbt.
Nach einer zweistündigen Runde kamen wir wieder nach Kriopigi und ließen den Abend in der urgemütlichen Casablanca Bar bei liebevoll servierten Cocktails ausklingen.

Observation Point Pavillon

Sithonia – Urlaub abseits des Massentourismus

Am vierten Tag fuhren wir auf den mittleren Finger von Chalkidiki, die Halbinsel Sithonia. Hier geht es touristisch ruhig zu. Die Aussicht von den Küsten ist beeindruckend. Von der Westküste eröffnet sich der Blick auf Kassandra, von der Ostküste sieht man die Mönchsrepublik am Berg Athos. Auf dem Finger angekommen haben wir uns erst einmal im empfehlenswerten Restaurant To Simadi taverna gestärkt. Habe ich schon erwähnt, dass wir die griechische Küche lieben?

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In der lebendigen Kleinstadt Neos Marmaras begeistert uns der hübsche Hafen, aus dem Gäste mit Ausflugsschiffe zu den einsamen Stränden der Halbinsel gefahren werden. Eine Liebe auf den ersten Blick war der Naturhafen von Porto Koufo der Aktivurlauber zu Wanderungen einlädt und Entspannungssuchende mit seinem Strand lockt. Auf dem Rückweg zu unserem Hotel haben wir noch einen Stopp in Afytos eingelegt.

Hier kannst du bei einem Bummel in den engen Gassen ganz tief in die einheimische Lebensweise eintauchen. Abseits der Hauptstraße wirst du, genau wie wir, dich an der schönen Aussicht von der Steilküste auf die Ägäis gar nicht satt sehen können…

Neos Marmaras

Naturhafen von Porto Koufo


Panorama – Kalamitsi

Insidertipp – Bar BQ BAR
Afytos
Afytos
Afytos

Die Mystik einer Mönchrepublik und das Weltkulturerbe von Thessaloniki

An unserem vorletzten Tag wollten wir die Halbinsel mit dem Berg Athos besuchen. Leider ist auch im 21. Jahrhundert für Frauen der Zutritt in den autonomen Mönchsstaat untersagt und auch die Männer müssen sich für das Betreten zuvor ein Visum besorgen. So können wir mit dem Ausflugsboot nur bis auf 500 Meter an die Küstenlinie heranfahren, genießen aber von hier eindrucksvolle Blicke auf die Klöster der Halbinsel.








Vor der Abreise erlebten wir noch für ein paar Stunden die quirlige Stadt Thessaloniki, das Gegenteil zu unserem bis dahin beschaulichen Urlaub am Meer. Mit ihren byzantinischen UNESCO-Welterbestätten ist die Stadt für Kulturreisende nach Athen wohl eines der reizvollsten Ziele Griechenlands. Hier wird auch die religiöse Bedeutung Griechenlands durch das Wirken des Apostels Paulus deutlich. Besonders reizvoll empfanden wir die lange Uferpromenade, die den Weißen Turm (Wahrzeichen von Thessaloniki) und die Altstadt mit ihren vielen Kneipen verbindet. Natürlich haben wir auch die berühmten Umbrellas von George Zongolopoulos besucht. Ein beliebtes Fotomotiv.


Weißer Turm von Thessaloniki
Thessaloniki
Thessaloniki
Thessaloniki
Thessaloniki
Katze
Thessaloniki
Thessaloniki
Alexander der Große
Thessanoliki
Thessaloniki
Thessaloniki
Thessaloniki
Umbrellas von George Zongolopoulos.

Schirme in Thessaloniki

Unser Fazit
Wir haben uns in die drei Finger von Chalkidiki verliebt. In nur rund fünf Stunden mitten in der Ägäis am Strand liegen oder tief in die Kultur von Griechenland eintauchen zu können, ist schon etwas Besonderes und sogar für einen Kurzurlaub nur zu empfehlen.

Ich hoffe, dass du den einen oder anderen Tipp mitnehmen kannst und selbst Lust auf dieses herrliche Land bekommen hast. Und nun klick unbedingt auf die Landkarte, damit du siehst wo genau wir eigentlich unterwegs waren.

Liebste Grüße
Petra