Mitte Juni 2019 reisten wir zu zweit mit der MS Pearl Seaways von Kopenhagen nach Oslo und wieder zurück. Es war ein Experiment, und zwar, was man wirklich für eine Minikreuzfahrt von 35,- Euro pro Person erwarten kann. Den ausführlichen Testbericht kannst Du hier separat lesen. In diesem Beitrag geht es um das Schiff selbst! Erhalte tiefe Einblicke hinter die Kulissen des einst größten Fährschiffes der Welt.

Von der Brücke bis in den Maschinenraum!

Selten erhält man so tiefe Einblicke in das Leben eines Schiffes, wie Du sie nun bekommst. Kabinen-Reviews und Urlaubsfotos findest Du massenweise im Internet. Wir glauben aber kaum, dass Du bereits Bilder hinter den Kulissen während der Fahrt von Kopenhagen nach Oslo sehen konntest.

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Wie schon gesagt, geben wir Dir hier sehr tiefe Einblicke! Zustande kam diese private Führung in einem Gespräch mit DFDS. Eigentlich sollte uns zunächst das Schiff in den öffentlichen Bereichen gezeigt werden. Benjamin, zuständig für Events an Bord, zeigte uns aber die wirklich interessanten Dinge an Bord des einst größten Fährschiffes der Welt.

Die Brücke - Die volle Kontrolle und ein Computer:

Die Brücke ist die Kommandozentrale eines jeden Schiffes. Umso wichtiger, wenn ein Schiff mit fast 2000 Menschen durch stürmische Nächte fährt. Ähnlich wie bei Flugzeugen wird auch die Fähre automatisch gesteuert. Der Computer steuert das Schiff zielgerichtet durch die See. Überwacht wird dies gewöhnlich von nur einer Person auf der über 30 Meter großen Brücke. Lediglich nachts und bei schlechter Sicht überwachen zwei Personen die Brücke. Gewöhnlich arbeiten die Schiffsangestellten in 12-Stundenschichten. Gearbeitet wird immer 14 Tage am Stück, dann ist man 14 Tage zu Hause.

Noch interessanter als der Autopilot ist wahrscheinlich ein etwa 5 cm großer Hebel. Mit diesem kleinen Hebel wird das Schiff im Hafen gesteuert. Von dieser „Außenposition“ (Brückennock) aus hat man einen idealen Blick über die komplette Seite des Schiffes. 

Auch wenn das Interieur sehr klassisch anmutet, steckt dennoch alles voller Hightech. Sollte die Technik aber einmal versagen, gibt es doch tatsächlich noch ein klassisches Ruderrad. Auch die Evakuierungspläne liegen noch klassisch auf Papier vor.

Die Brücke gehört neben dem Maschinenraum zu den sicherheitsrelevanten Bereichen. Normalerweise gibt es hier keinen Zutritt, umso schöner, dass wir Dir nun auch diese Bereiche zeigen können!

Die untersten Decks - Der Maschinenraum:

Das knapp 180 Meter lange Fährschiff wird von zwei Motoren mit insgesamt 23760 kW Leistung angetrieben. Zuletzt wurde das Schiff 2014 modernisiert. damit das Schweröl besser und sauberer verbrennt, ist es notwendig, das Öl vorzuwärmen. Genauso, wie Du es von Deiner Ölheizung her kennst.

Unter der Wasseroberfläche herrscht ein warmes Klima. Die beiden großen Motoren und auch diverse kleinere Motoren strahlen viel Wärme ab. Natürlich ist auch der Lautstärkepegel hoch. Die verschiedenen „Räume“ sind durch Schotten getrennt. Diese selbstschließenden Türen schützen sowohl bei Wassereinbruch als auch bei Feuer davor, dass andere Bereiche in Mitleidenschaft gezogen werden.

Gerade einmal ein Dutzend Mitarbeiter hält die Technik am Laufen. Im Kommandoraum überwachen zwei Mitarbeiter ständig alle Daten des Schiffes. Auch hier wird in 12-Stundenschichten gearbeitet. 

Oft wird behauptet, dass Kreuzfahrtschiffe, Abwässer direkt ins Meer ableiten. Hier zumindest stimmt dies nicht! Das Abwasser wird zuerst geklärt, so wie es auch an Land üblich ist.

Kaum vorstellbar, wie noch vor wenigen Jahrzehnten hunderte Menschen unter Deck Kohle in die Brenner schippen mussten. Heute reichen insgesamt drei Personen, um ein solch großes Schiff in Bewegung zu bringen.

Die Decks der DFDS Pearl Seaways:

Quelle: DFDS

Man merkt schnell, dass die Fähre mehr als nur eine reine Autofähre ist. Das ehemalige Kreuzfahrtschiff bietet neben 702 Kabinen für insgesamt 1852 Passagiere und Platz für 320 PKWs auch zahlreiche Freizeitaktivitäten. Es gibt zahlreiche Restaurants, Bars und Einkaufsmöglichkeiten. Auch die Außendecks vermitteln noch die echte Seefahrerluft.

30 Jahre MS Pearl Seaways:

1989 lief die damals noch genannte MS Athena im finnischen Turku vom Stapel. Seitdem ist viel passiert. Wer weiß schon, dass die heutige Ostsee-Fähre bereits im südchinesischen Meer unterwegs war.

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Registrierte Heimathäfen:

1989 bis 1993

Slite

1993 bis 2001

Panama City

2001 bis aktuell

Kopenhagen

Bisherige Namen:

1989 bis 1993

MS Athena

1993

MS Star Aquarius

1993 bis 2001

MS Langkapuri Star Aquarius

2001

MS Aquarius

2001 bis 2011

MS Pearl of Scandinavia

2011 bis aktuell

MS Pearl Seaways

Bisherige Namen: Eigentümer

1989 bis 1993

Rederi AB Slite (im Auftrag von Viking Line eingesetzt)

1993 bis 2001

Star Cruises

2001 bis aktuell

DFDS Seaways

Als das damalige Schiff MS Athena in Dienst gestellt wurde, war es das größte Fährenkreuzfahrtschiff der Welt. Zunächst wurde das Schiff auf der Route Stockholm – Mariehamn eingesetzt. Nach einem Kabinenfeuer 1993 geriet auch der damalige Eigentümer in finanzielle Schwierigkeiten. Der Eigentümer wechselte.

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Die Fakten:

Länge:

178,40 Meter

Breite:

33,80 Meter

Höhe:

16,95 Meter

Tiefe:

6,22 Meter

Höchstgeschwindigkeit:

21,2 Knoten (39,3 km/h)

Reisegeschwindigkeit:

circa 15 Knoten (27,8 km/h)

1993 fuhr das Schiff von der Ostsee nach Singapore. Dort wurde das Schiff in ein reines Kreuzfahrtschiff umgebaut. Aus dem Autodeck wurde ein riesiges Kasino. Zwischendurch gab es Kreuzfahrten ab Singapore. Ab 1998 wurde der Abfahrtshafen nach Hongkong umverlegt.

Mit dem Eigentümerwechsel zu DFDS 2001 wurde das Schiff erneut in die Ostsee verlegt. Bei Blohm und Voss in Hamburg wurde das Schiff wieder zu einer Personenfähre mit Autodeck umgebaut. Ende 2001 kam es zu einem Ausfall der Motoren. Das Schiff fuhr etwa eine Stunde ohne Steuerung durch den Oslo-Fjord. Seitdem kam es zu zahlreichen Modernisierungsmaßnahmen. 

Auf weitere 30 Jahre!

Man darf nie vergessen, dass es immer noch eine Fähre ist! Moderne Kreuzfahrtschiffe verkörpern von ihrem Naturell aus bereits ein ganz anderes Flair. Möchtest Du allerdings ein wenig Seeluft schnuppern und ein wenig näher am Meer sein, dann können wir Dir die Route Kopenhagen-Oslo auf jeden Fall empfehlen!

Aktuell steht das Schiff vor neuen Herausforderungen. Immer strengere Umweltbestimmungen, der Transport von Gefahrgut und die Konkurrenz aus der Luft, all das muss täglich gemeistert werden. Gerade der Punkt Gefahrgut ist ein immer wichtiger werdender Aspekt. Gerade Lithium-Batterien stellen Transportträger vor neue Herausforderungen- Lithium-Ionen-Akkus, also genau die Akkus, die in Deinem Handy sind, können sich selbst entzünden. So gab es erst kürzlich einen Brand eines Elektroautos auf dem Cardeck. Nun stell Dir vor, dort stehen mehrere hundert solcher Wagen. Und Lithium-Batterien sind nur sehr schwer zu löschen.

Wir hoffen, dass Du mit großem Interesse diese Einblicke gelesen hast!

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