Richtig gelesen, so oder so ähnlich soll TUI auf die aktuelle 737-Max-Krise reagiert haben. Man vergleicht die beiden aktuellen Abstürze mit dem Imageschaden der ersten Dreamliner vor einigen Jahren. Doch zwischen diesen beiden Krisen liegen Welten. Als die ersten 787 vor einigen Jahren Probleme mit einer Batterie hatten, kam niemand zu schaden. Man wusste genau, woran es lag und man wechselte die Bauart dieser qualmenden Batterien und steckte sie dann noch zusätzlich in eine Schutzhülle. So geht man ein Problem an!

787-900 virgin atlantic
787 Economy Class

Vertrauen? Vergessen? - Wo ist der Zusammenhang?

In der Tat, die Krise der Dreamliner ist wirklich vergessen. Und Boeing baute mit dem Dreamliner ein wirklich sehr gutes Flugzeug. Unsere meisten Langstreckenflüge fanden mit einer 787 statt. Unser letzter Flug nach L.A. mit virgin atlantic war ein enormer Unterschied zu anderen Airbus- und Boeing-Flugzeugen. Auch wenn der Dreamliner aktuell immer wieder mit Turbinenproblemen des Herstellers Rolls Royce kämpft, spricht man hier von einem üblichen Verschleißproblem, nicht aber von einem lebensgefährlichen Zustand. In etwa so, wenn Du neue Sommerreifen kaufst und Dich wunderst, warum sie schneller abgefahren sind als Deine alten. Schön ist das nicht, aber Du bist in keiner Gefahr. Anders sähe es aus, wenn Dein ABS plötzlich bei 200 km/h einsetzt und Du Dich überschlägst, so in etwa kann das 737-Max-Problem verglichen werden. Man weiß weder, wann es kommt, noch wie man drauf reagieren soll.

Zwischen Vertrauen und Vergessen liegt ein entscheidender Faktor, und zwar den, ob man eine Tatsache beeinflussen kann oder nicht. Die Dreamliner sind gefixt. Das Vertrauen ist durchweg vorhanden. Doch was soll man davon halten, wenn zwei ganz neue Flugzeuge zweier renomierter Fluggesellschaften einfach so abstürzen? Bereits nach dem ersten Absturz in 2018 versprach man Nachbesserungen und Trainings. Geholfen haben diese wohl nicht.

737-800 Ryanair
737-Max Air China

Vom beliebtesten Typ zum Abstellgleis

Die meisten von uns sind mit Sicherheit schon mit einer 737 geflogen. Jedoch mit dem Vorgängermodell. Die 737-800 ist das Standardflugzeug vieler Fluggesellschaften. Ryanair zum Beispiel verfügt selbst mit Ausnahme von Laudamotion nur über diese Modellreihe. Die 737-800 ist direkter Konkurrent vom A320.

Die 737-Max sollte nahtlos in diese Fußstapfen treten. Tausende Bestellungen liegen bereits vor. Hunderte sind bereits geliefert und stehen nun ALLE am Boden! Ein immenser Schaden für alle. Ich möchte in diesem Beitrag auch nicht auf die technische Problematik eingehen. Dazu gibt es Fachmagazine, die einen größeren Background haben und nicht nur auf Mutmaßungen eingehen.

Fakt ist jedoch, dass Boeing einen unglaublichen Vertrauensverlust erlitten hat. Und die Maßnahmen, welche ergriffen wurden eher dem Umstand geschuldet waren, den finanziellen Schaden zu mindern als ein sicheres Flugzeug auf den Markt zu bringen. In Fachbeiträgen gibt es Kommentare, dass Boeing versucht hatte, eine inzwischen veraltete Bauform mit moderner Technik zu paaren und das eben das Resultat sei. Ein weiterer User wirft Boeing gar vor, dass es verwerflich sei, dass ein neues Flugzeug nur mit Hilfe einer Software am Himmel gehalten werden kann. Hier gäbe es wohl ganz andere Baustellen, nämlich am Gerät selbst…

Kürzlicher Vorfall einer neuen 737-800 in Hahn

Doch als hätte die 737-Max nicht schon genug Probleme, die alte „bewehrte“ 737-800 tritt auch in der letzten Zeit häufiger in die News. So kam es Ende Januar 2019 nach dem Start in Hahn bei einer erst wenigen Monaten alten 737-800 zu einem „Loch“ im Flügel.

Tun sich TUI und Lufthansa einen Gefallen mit ihrer aktuellen Haltung?

Wahrscheinlich nicht! TUI hält nach wie vor an seinen Bestellungen fest, stellt jedoch klar, dass Boeing bis zum Sommer auch liefern muss, sonst macht es für den Urlaubsflieger in 2019 wenig Sinn. Die Lufthansa, deren Kurz-/Mittelstreckenflotte aktuell ausschließlich aus Airbus-Flugzeugen besteht, erwähnt plötzlich, dass die 737-Max eine Alternative sein könnte.

767 in Frankfurt von Ethiopian - Ethiopian zählt trotz des Absturzes zu einer sicheren Airline mit einer modernen Flotte

Noch nie zuvor war der Flugzeugtyp so gefragt wie aktuell!

Genau hier könnte das Problem liegen. Früher war es dem Urlauber egal, worin er sitzt. Viele mieden Propellerflugzeuge, weil dies einfach veraltet sei. Ansonsten kannte man die 747, den Jumbojet und eventuell den Airbus. Spätestens seitdem Pauschalreisen durch Individualreisen und Geschäftsreisen immer mehr ins Hintertreffen geraten, interessieren sich die Fluggäste auch für den Typ!

Hat man früher bei Neckermann im Reisebüro gebucht, war man meist erst am Flughafen mit dem Gerät in Berührung gekommen. Die meisten wussten nicht einmal, ob es ein Airbus oder eine Boeing war. Diese Zeiten sind längst vorbei. Heute sucht man meist gezielt nach Flugrouten, mit oder ohne Layover, direkt oder in Etappen, wie sind die Sitze bei einer bestimmten Airline angeordnet, wie ist das Entertainment und seit kurzem, ob das Flugzeug auch sicher ist!

Dash 8 Q400 Air Berlin (LGW)
747 (Jumbojet) virgin atlantic

Seit 9-11 gab es fast keine zivilen Flugunglücke. Gab es dennoch welche, gab es meist eine Verkettung unglücklicher Umstände, eben wie der berühmte 6er im Lotto. Bei der 737-Max spricht man aber von einem bekannten Risiko. Man weiß, dass es Defizite gibt und anscheinend nicht richtig gefixt wurden. 

In Europa gab es bisher nur wenige 737-Max, weltweit sind bereits hunderte unterwegs. Deswegen fällt das Flugverbot auch nicht wirklich so auf. Für 2019 sollten aber zahlreiche europäische Fluggesellschaften mit ihnen beliefert werden. TUI bestellte einige, Ryanair möchte seine gesamte zukünftige Flotte damit ausstatten.

Wie kann ich selbst drauf reagieren?

Ganz einfach, entscheide Du selbst, womit Du fliegst! Bei Linienflügen wird Dir meist das Fluggerät beim Buchen angezeigt. Dies ist zwar keine 100%ige Garantie, doch es erhöht die Wahrscheinlichkeit. Ein weiterer Schritt ist die Überprüfung der Flotte. Kontrollier einfach die Typen der Flugzeugflotte einer Airline. Viele Airline agieren in Allianzen oder mit Schwesterunternhemen. Sollte keine dieser Gesellschaften einen bestimmten Flugzeugtyp im Portfolio haben, dann fliegst Du wahrscheinlich auch nicht damit.

Gerade Reiseunternehmen werden aktuell sooft wie noch nie nach dem Flugzeugtyp gefragt. Mit Deinem Wort kannst Du also doch etwas erreichen. 

Reise nur, wenn Du Dich sicher fühlst!

Die meisten von uns können nur wenig Fachwissen in die aktuelle Krise einbringen. Statistisch gesehen, ist Fliegen immer noch sicherer als der Straßenverkehr. Auf über 30 Flügen im letzten Jahr gab es bis auf eine kleine unerwartete Windböe über Würzburg keine erwähnenswerte Situation in der Luft

Wir wünschen Dir allzeit eine gute Reise! 
Petra & Michael