Auch wenn Fliegen aktuell in vielen Kreisen in der Kritik steht, ist es dennoch eines der effizientesten Arten des Reisens. Innovative Technik ist gefragt. Dabei greift man häufig auf historische Konzepte zurück. So entdeckte der britische Hersteller Hybrid Air Vehicles mit seinem Luftschiff Airlander die goldene Zeit der Zeppeline für sich.

Luxus pur und dabei noch umweltfreundlich

Über 100 Jahre nach der Erfindung der Luftschiffe gibt es keine regelmäßigen Linienflüge mehr. Obwohl hier sehr viel Potenzial versteckt scheint. Das Fliegen kann nie vollständig durch den Landverkehr ersetzt werden. Und genau hier liegt das Potenzial hochmoderner Luftschiffe. Sie fahren zwar mit etwa 100 Stundenkilometer bis zu zehn mal langsamer durch die Luft als Flugzeuge von A nach B fliegen, dafür ist aber auch deren Energieverbrauch um einen ähnlichen Faktor geringer. Das Geheimnis liegt darin, dass Flugzeuge die hohe Geschwindigkeit benötigen um Auftrieb an den Flügeln zu generieren. Bei Luftschiffen hebt ein leichtes Gas das Schiff nach oben. Alleinig der Vortrieb geschieht durch Motoren. 

Auch die Flugzeugindustrie ist stets bemüht, den Energieverbrauch zu senken. Es ändert aber nichts daran, dass die Physik nun mal den Auftrieb durch Geschwindigkeit fordert. Elektroantriebe werden daher keine Pauschallösung für Flugzeuge werden. Da der Energiebedarf bei gleicher Strecke aber um ein vielfaches geringer sein wird als beim Flugzeug, benötigt das Luftschiff dementsprechend auch geringere Akkukapazitäten. Auch die großen Flächen könnten mit Solarmodulen zusätzlich für Energie sorgen.

Hybrid Air Vehicles arbeitet am Comeback der Luftschiffe

Der britische Hersteller möchte zunächst mit dem Airlander 10 einen stattlichen Fußabdruck hinterlassen. Später soll eine Variante für 200 Passagiere folgen. Neben klassischem Linienverkehr sind auch exklusive Fernreisen möglich. Du könntest eine umweltfreundliche Expedition an den Nordpol oder an den Amazonas unternehmen und hättest Dein Hotel immer mit dabei!

Die goldene Ära der Zeppeline und das abrupte Ende

Bereits am 2. Juli 1900 stieg auf dem Bodensee der erste Zeppelin der Welt in die Luft hinauf. Es sollte eine goldene Ära werden. Der Zeppelin stand weltweit für deutsche Ingenieurskunst und über den Skylines der Welt flogen diese gigantischen silbernen Zigarren. Aber auch im Regionalverkehr tat sich etwas. Man beachte, dass zu Beginn des letzten Jahrhunderts weder Autobahnen (oder gar Autos) noch Hochgeschwindigkeitsbahnstrecken existierten. So kam es selbst vor, dass der damalige Flughafen von Saarbrücken zwischen St. Arnual und Brebach angeflogen wurde.

Zunächst einmal dienten die Luftschiffe aber zu militärischen Zwecken. Der erste Weltkrieg stand plötzlich vor der Tür und die großen Schiffe waren Teil der ersten Luftkriege. Nach und nach entdeckte man aber den touristischen Zweck. Neben dem deutschen Zeppelin wurden zwischenzeitlich aber auch Luftschiffen in anderen Ländern hergestellt. Dutzende Leben wurden während dieser Pionierzeit für den Fortschritt der Technik geopfert.

Erstmals gab es auch im zivilen Luftverkehr Interkontinentalreisen. So wurden von Deutschland aus Ziele wie New York oder Bueno Aires angeflogen. Anders als heutzutage in modernen Verkehrsflugzeugen dauerte so eine Reise mehrere Tage. Die kleine Kabine unterm Schiff diente lediglich als Cockpit. Der Salon, die Sanitärräume und Schlafkabinen waren im Inneren untergebracht. Auch die NSDAP wollte ihr Stück im Glanze dieser großartigen Technik abhaben, so kam es, dass die Heckflossen mit Hakenkreuzen hoch über den Weltmetropolen schwebten. Die Preise für eine Überfahrt in die USA sind vergleichbar mit heutigen First Class Tickets bei Lufthansa, Singapore Airlines und Co.

Als sich der Ton zwischen dem deutschen Reich und anderer Länder verschärfte, war man aufgrund mangelnder Rohstoffe dazu gezwungen für vieles Ersatz zu beschaffen. Für die Luftschiffe stand statt dem nicht entflammbaren Helium nur noch der explosive Wasserstoff zur Verfügung. Dies sollte dem Stolz der Flotte, der Hindenburg am 6. Mai 1937 im amerikanischen Lakehurst zum Verhängnis werden. Insgesamt starben 36 Menschen bei dieser Katastrophe.

Mit Beginn des zweiten Weltkriegs war dann endgültig Schluss. Genau drei Jahre nach dem Unglück wurden auf Befehl Görings die Hangars in Frankfurt durch die Wehrmacht gesprengt, um dieses Aluminium für die Kriegsindustrie zu nutzen. Die letzten Luftschiffe am Bodensee wurden ebenfalls verschrottet. Nach dem Krieg übernahmen Flugzeuge die zivile Luftfahrt. Flugzeuge waren zudem weniger empfindlich gegen Witterungen und benötigten weniger Platz. Flugzeiten verringerten sich um ein vielfaches gegenüber den schwebenden Zigarren.

Die großen Unterschiede zwischen Zeppelin und Airlander

Zunächst einmal muss man sich vor Augen halten, dass etwa hundert Jahren zwischen den beiden Geschäftsmodellen und dem technischen Fortschritt liegen. Trotz dieser enormen zeitlichen Spanne, hat sich gar nicht so viel getan. Der größte Unterschied mag aber wohl in der Zielgruppe im zivilen Bereich liegen. Damals war das Luftschiff neben Kreuzfahrtschiffen die einzige Möglichkeit interkontinental zu reisen. Der Vorteil gegenüber dem Kreuzfahrtschiff lag darin, auch Ziele auf dem Festland direkt anzusteuern. Heutzutage würde sich niemand mehr mehrere Tage in eine spärliche Kabine zwängen um an sein Ziel zu gelangen. Daher wird diese Sparte auch in ferner Zukunft fast ausschließlich von Flugzeugen beherrscht.

Die Langstrecke, die Heimat des Zeppelins ist also nicht mehr zeitgemäß. Es müssen neue Konzepte her. Man beachte, das Luftschiff ist etwa genauso schnell wie ein Auto. Der Auftrieb erfolgt anders als beim Flugzeug nicht durch die Geschwindigkeit sondern durch ein leichtes Gas. Der Vortrieb geschieht damals wie heute durch Propeller oder ähnlichem an den Außenseiten des Flugkörpers.

War der Zeppelin noch ein Starrluftschiff, wird der Airlander ein Prallluftschiff sein. Das heißt, der Zeppelin bestand aus einer stabilen Metallstruktur, welche innen mit Gasblasen bestückt war. Der Fortschritt in der Materialentwicklung führte dazu, dass heute aus haltbaren, extrem stabilen Kunststofffolien riesige Gasblasen geformt werden können. Dies reduziert zum einen die Herstellungskosten enorm, zum anderen macht es das Luftschiff extrem leicht.

Die Kurzstrecke als Heimat

Die Kurzstrecke wird also interessant! Genau dieses Reisesegment, was gerne in der Kritik von Klimaschützern steht. Das dies nicht unbedingt in Gänze stimmen musst, kannst Du Dir hier noch einmal durchlesen. Der britische Hersteller argumentiert hier mit der gesamten Reisezeit, also Parkplatz, der Sicherheitskontrolle, dem Check-In, dem reinen kurzen Flug und das gleiche in umgekehrter Reihenfolge nach der Landung. Man möchte konkurrenzfähig Stadtzentren miteinander verbinden. Und hier konkurriert man nicht nur mit dem Flugzeug, auch das Auto, der Bus oder der Zug, teilweise sogar die Fähre stehen im direkten Wettbewerb.

Mit durchschnittlich 100 Kilometer in der Stunde gewinnst Du garantiert keinen Preis für Schnelligkeit. Dafür kannst Du aber mit Komfort und Erlebnis punkten! Der Airlander soll daher gezielt auf Strecken wie Barcelona – Mallorca eingesetzt werden. Die Reise soll ein Erlebnis sein. Aber auch klassische Großstädte in Großbritannien sollen zunächst miteinander Verbunden werden.

Ein riskantes Business

Der britische Hersteller ist nicht der erste, der nach dem zweiten Weltkrieg versuchte, die Luftschiffe zurück an den Himmel zu bringen. Seit 1997 fliegen auch echte Zeppeline wieder, allerdings nicht mehr als Starrluftschiffe sondern hochmoderne halbstarre Luftschiffe. Was Du häufig am Himmel als Luftschiff wahrnehmen kannst, sind meist Prallluftschiffe. Mit etwas Kleingeld kannst Du auch heute noch mit einem originalen Zeppelin NT beispielsweise über den Bodensee oder den Rhein fliegen!

Ein sehr viel versprechendes Konzept war der Cargolifter. Einem Art Schwertransporter, der weltweit große Lasten in unwegsame Regionen bringen sollte. Ein Konzept, welches Straßen und Schienen deutlich entlasten würde. Letztlich war die Zeit wohl Ende der 1990er wohl noch nicht reif genug. Der Hangar des riesigen nie gebauten Luftschiff steht auch heute noch in Brandenburg. Vielen ist dieses Bauwerk eher als Tropical Island bekannt!

Der Airlander 10

Ab 2025 sollen kommerzielle Flüge mit dem größten Luftschiff der Welt möglich sein. Das 92 Meter lange, 42 Meter breite und 25 Meter hohe Luftschiff soll zunächst für zehn Tonnen Nutzlast oder 48 Passagieren ausgelegt sein. Einmal aufgepumpt soll das Helium für etwa drei Wochen reichen. In der ersten Version werden vier Dieselmotoren mit jeweils 325 Pferdestärken eingesetzt. Bereits hierbei wird der CO²-Ausstoß um 75 Prozent im Vergleich zum Flugzeug reduziert. 

Im zweiten Schritt werden ab 2025 Hybrid-Aggregate eingesetzt. Der CO²-Ausstoß verringert sich weiter auf 90 Prozent. Auch während der Herstellung des Luftschiffes wird durch modernere Fertigungsmethoden und optimierte Logistik dieser Wert erreicht.

Ab 2030 soll es das Luftschiff dann auch mit reinem elektrischen Antrieb geben. Wird der Strom dann auch noch durch Wind, Sonne oder Wasser erzeugt, hat man den CO²-Ausstoß theoretisch eliminiert! 

Die aktuelle Version soll bis zu fünf Tagen am Stück in der Luft bleiben können. Die maximale Flughöhe soll 20.000 Fuß betragen. Die Reichweite beträgt bis zu 4.000 nautischen Meilen, was 7.408 Kilometer entspricht. Mehrtägige „Kreuzfahrten“ wären dadurch also auch nach hundert Jahren wieder möglich! Je nach Konfiguration könnte die Kabine also entweder für den Linienflug mit komfortablen Sitzen oder einem Hotel ähnlichen Konzept mit Suiten, Bar und Salon ausgestattet werden.

Der Airlander 50

Sollte der Airlander 10 ein Erfolgsmodell werden, hat Hybrid Air Vehicle bereits ein weiteres Modell in der Entwicklung. Der Airlander 50 soll entweder bis zu 200 Passagiere transportieren können oder soll bis 50 Tonnen Fracht transportieren. Auch Kombitransporte sollen je nach Kundenwunsch möglich sein. Die Reichweite sinkt allerdings wohl auf etwa 2.200 Kilometer.

Die Zukunft wird vielseitig!

Die Zukunft wird interessant. Corona und die Klimakrise führen zu interessanten Entwicklungen. Gerade die Lust zu reisen steigt mehr als jemals zuvor. Noch vor kurzem schien es so, als würde man immer mehr eingeschränkt. Die Entwicklung ist allerdings genau gegenläufig. Denn nichts ist schöner als fremde Kulturen kennen zu lernen und auch mal über den eigenen Tellerrand hinausblicken.

Verbote und Einschränkungen sind hier definitiv der falsche Weg. Viel mehr sollten wir schauen, die jeweils effizienteste Art des Reisens wählen zu können. Effizienz bedeutet nicht nur ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis, auch sollen Ressourcen optimal genutzt werden. Der Airlander besetzt hier definitiv eine interessante Nische! Wäre es nicht toll, wenn Du in Zukunft während des 3-Gänge-Dinners von Köln nach Hamburg reist? Und das auch noch umweltfreundlich?