Das Jahr 2020 stand völlig im Schatten des Coronavirus. Die Deutschen entdeckten in dieser Zeit das Wandern und Radfahren für sich. Grund genug für uns im März 2021 professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Béatrice und Jens von walking2nature bieten nämlich seit einiger Zeit geführte Wandertouren im Saarbrücker Raum an. Hier erwartet Dich ein Erlebnisbericht voller Überraschungen und viel gesunder Bewegung. 

Petra ist immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Geschichten und Freizeitaktivitäten in unserer Region. Meist findet sie diese allerdings eher in den ländlich angehauchten Regionen des Saarlandes. Umso spannender wurde es, als sie herausfand, dass es geführte Wandertouren in und durch das Umland der Landeshauptstadt gibt. walking2nature nennt sich der lokale Anbieter, der sich auf das Erlebniswandern rund um Saarbrücken spezialisiert hat.

In diesem Blogbeitrag möchten wir Dir erst einmal unsere Erfahrungen und Erlebnisse schildern, welche wir inmitten des Lockdowns an einem sonnigen Samstag im März erleben durften. In einem weiteren Beitrag stellen wir Dir dann das Angebot und die Idee hinter walking2nature vor.

Wer eine Stadtführung erwartet, wird sich wundern...

Direkt zu Beginn unserer Wanderung erklärt uns Jens, dass es sich bei den SaarbrückenWalks nicht um geschichtliche Stadtführungen handelt. Natürlich sollen Geschichte und Kultur nicht zu kurz kommen, es geht aber in erster Linie um die Bewegung, also um das Wandern. Dass wir dennoch auch als Einheimische die ein oder andere Überraschung erleben durften, erfährst Du gleich.

Jens von walking2nature

Eine Wanderroute voller Überraschungen

Die heutige Tour wird etwa zehn Kilometer weit gehen. So viel wurde uns bereits vorab mitgeteilt. Was uns allerdings erwarten wird, sollte bis zuletzt unser Interesse schüren. Als „gewöhnlicher“ Kunde hingegen darfst Du gerne Deine Wünsche und Interessen äußern.

Natürlich möchten wir hier auch Dein Interesse wecken! Hierzu wirst Du in den kommenden Abschnitten einiges bestimmt auch für Dich Unbekanntes erfahren. Auch wenn wir Dich hier an unseren kompletten Nachmittag teilhaben lassen könnten, möchten wir das ein oder andere Geheimnis für Deine Wanderung mit walking2nature zurückhalten!

Erlebniswandern

Nachdem wir umweltfreundlich mit der Saarbahn an unseren vereinbarten Treffpunkt an der Saar angekommen waren, empfingen uns die beiden zertifizierten Wander- und Gesundheitswanderführer des Deutschen Wanderverbandes European Walk Leader freundlich und voller Tatendrang.

Nach dem harten Lockdown und den strengen Reisebeschränkungen ein fast vergessenes Gefühl von Abenteuerlust und Bewegungsdrang. Nach einer kurzen Vorstellung und Wanderbesprechung ging es mit Abstand auch schon los…

Der Zoo am Staden

Béatrice führte uns bereits wenige hundert Meter nach dem vereinbarten Startort an der Bismarckbrücke zu der ersten Überraschung auf unserer Wanderroute. Es ging Richtung Staden, eine beliebte Freifläche unter Städtern direkt am Saarufer. Dort soll uns ein Zoo erwarten. Dabei liegt der Zoo doch am Eschberg?!

Man stelle sich vor, man würde etwa 100 Jahre zuvor leben. Die Erfindung des Fernsehens und des Internets sind noch Jahrzehnte entfernt. Lediglich Zeitungen mit qualitativ schlechten Fotos, Bücher und eben die Geschichten jener, welche etwas erzählenswerte erlebt haben sollen, würden unser Weltbild prägen. Schon damals gab es allerdings den Drang, fremde Welten und Kulturen kennen zu lernen. So kam es, dass zu jener Zeit, botanische Gärten mit Pflanzen aus weit entfernten Ländern angelegt wurden. Beispielsweise ein Sequoia Baum, der jetzt am Staden in die Höhe sprießt.

Ein Verkehrsflughafen direkt am Marktplatz von St. Arnual

Jeder Saarbrücker kennt das Silo und die dazugehörige alternative Kulturszene rund herum, aber wusstest Du, dass zwischen dem heutigen Osthafen und der Stiftskirche St. Arnual der damalige Flughafen von Saarbrücken gelegen hat? Eben genau dort, wo heute die kanalisierte Saar liegt und die A620 in die A6 mündet. 1928 wurden dort die Fluglinien Saarbrücken – Paris und Saarbrücken – Frankfurt ins Leben gerufen. Sogar Zeppeline landeten auf den Wiesen zwischen Brebach und St. Arnual. Bereits 11 Jahre später war das damalige Flugfeld an seiner Kapazitätsgrenze. Etwa dort, wo heute direkt das Wasserwerk an der Ostspange steht, soll das damalige Towergebäude gestanden haben. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde der heutige SCN in Ensheim eröffnet.

walking2nature
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Die So-Da-Brücke

Fährst Du von der A6 über die A620 Richtung Saarbrücken, ist Dir bestimmt schon einmal eine breite Brücke rechts neben der Autobahn aufgefallen, die praktisch über die Saar führt ins Nichts?! Nur die wenigsten von uns wissen, was es hiermit auf sich hat.

Jens erklärt uns und weiteren Spaziergängern, was es mit dieser „Dood Brück“ auf sich hat. So-Da-Brücken (Soda-Brücken) oder auch Geisterbrücken sind Brücken, die ihrer eigentlichen Bestimmung nie nachkommen sollten. Meist sind mangelnde Finanzierungen oder Probleme im Genehmigungsablauf hierfür verantwortlich. Die Saarbrücker So-Da-Brücke gehört mit ihren vier Spuren zu den prominenteren Beispielen. Eine der bekanntesten Exemplare steht jedoch in Kapstadt. In Saarbrücken ging in den 1970ern aber gleich einiges schief!

So-da-Brücke in Saarbrücken

In den 1970ern sollte diese Brücke über die erst kürzlich teilweise kanalisierte Saar den Stadtteil St. Arnual mit den Daarler Wiesen verbinden. Eine Fehlplanung in allen Punkten. Denn die Kanalisierung der Saar reichte nicht aus, um große Schiffe bis nach St. Arnual zu führen. So konnte das geplante Industriegebiet auf dem heutigen Landschaftsschutzgebiet weder über einen Hafen noch einen Straßenanschluss verfügen. Heute ist die Brücke Treffpunkt für junge Leute in den wärmeren Monaten.

St. Arnual - Viel Geschichte

Der Ortskern von St. Arnual blieb bei den Luftangriffen während des zweiten Weltkriegs größtenteils verschont. Man kann daher nur erahnen, welche liebevollen und teils auch prächtige Bauten damals in Saarbrücken gestanden haben müssen. 

Die Drachenzähne im Wald

Wanderst Du durch St. Arnual, vorbeikommend am Tabaksweiher Richtung Almet und folgst den schmalen Pfaden gerade hoch zum Winterberg, wirst Du sie erblicken: Die sogenannten Drachenzähne! Stille Zeitzeugen aus einer Zeit, in denen sie Bestandteil des Westwalls waren und in harter Arbeit zum Schutz des Reiches installiert wurden. Ihre eigentliche Aufgabe bestand darin, Panzer an der Überfahrt zu hindern.

Dass unsere Grenzregion nicht nur schöne und friedliche Zeiten erlebte, davon weiß Jens während der Wanderung zu erzählen. Nicht nur im ersten und zweiten Weltkrieg gab es erbitterte Kämpfe. Auch eine Schlacht im Deutsch-Französischen-Krieg im Jahre 1870 fand einen blutigen Höhepunkt. Bei der Schlacht bei Spichern, direkt in der Nähe zum Almet, starben über 1000 Soldaten und mehrere Tausend auf beiden Seiten wurden verletzt.

Weitere Überraschungen am Wegesrand

Wie bereits erwähnt, verraten wir Dir hier nicht alle Geheimnisse dieser Wandertour. Aber hast Du Dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, warum man von Bauland, auf denen Birken stehen, lieber die Finger lassen sollte? Oder kannst Du Dir vorstellen, dass Menschen teilweise zig tausende Kilometer weit nach Saarbrücken reisen, um einen bestimmten Baum am Winterberg zu besuchen? Und was hat es mit einer Notkirche und den Amerikanern auf sich?

All dies und noch viel mehr, können Dir Béatrice und Jens während ihren Touren erzählen.

Béatrice und Jens von walking2nature

Trotz mieser Kondition machte es richtig Spaß!

Gerade bei Wanderungen in einer Gruppe ist es häufig schwierig das passende Tempo für alle zu finden. In unserem Fall und das trotz schlechter Kondition, fanden die beiden Wanderführer ein gutes Tempo für uns. 

Im Gegenteil, wir hatten nie das Gefühl, es ginge zu schnell oder zu langsam voran. Interessante Gespräche und die ersten Sonnenstrahlen ermunterten uns, immer weiter ins Ungewisse zu wandern. Man merkt schnell, dass die beiden wissen, wie man die Gruppe richtig einschätzt.

Das Fazit dieses sonnigen Samstag im März

Béatrice und Jens zeigten uns ein Saarbrücken voller Überraschungen und Kuriositäten. Selbst als eingefleischter Saarbrücker wirst Du noch verwundert sein, was es alles zu sehen gibt. Für uns war es eine willkommene Abwechslung in der tristen Corona-Zeit. Wie uns die beiden erzählten, haben sie auch noch das ein oder andere interessante Angebot parat. 

Uns hat dieser Nachmittag auf jeden Fall gefallen. Ganz klar – Daumen hoch! Wir können Dir daher nur empfehlen, selbst mit Freunden oder bei einem Firmenausflug diese Erfahrung zu erleben.