Reicht Handgepäck oder brauche ich einen großen Koffer?

Vor 15 Jahren nutzte kaum jemand die Option, Gepäck mit an Bord zu nehmen. Bekannt wurde dieses Thema erst richtig durch das damals völlig neue Angebot der Billigfluglinien.

Geschäftsleute werden nun schmunzeln, denn sie kannten gerade von Linienflügen diese (zusätzliche) Art des Gepäcktransportes. Der Ottonormalflugtourist jedoch, der eh nur Charterflüge kannte, begab sich hier auf Neuland.

Zunächst einmal sollten einige Begriffe geklärt werden:

·         Aufgabegepäck

Das Aufgabegepäck ist der Klassiker. Man gibt ihm entweder am Check-In-Schalter oder an einem Automat ab. In Europa liegt das maximale Gewicht meist bei 23kg. 32kg für höherklassige Kabinenangebote. Sollte das Aufgabegepäck je nach Tarif nicht automatisch dabei sein, bietet zum Beispiel Ryanair eine 15kg und 20kg Variante für aktuell bis zu 40,- Euro pro Flug an. Aber auch andere Billigfluggesellschaften oder Eurowings aber seit neustem auch Lufthansa bieten dieses Baukastenprinzip an. Man muss schauen, ob eine günstige Sitzoption plus Zusatzleistungen, wie Getränke, Mahlzeiten und Gepäck günstiger ist oder man einfach eine höhere Kategorie mit Inklusivleistungen bucht.

Ein Tipp bei Ryanair: Gewöhnlich kostet Aufgabegepäck pro Flug bis zu 40,- Euro. Fliegt man zu zweit hin und zurück für 20,- Euro pro Person, man benötigt aber neben den beiden Handgepäckstücken, den beiden persönlichen Gegenständen auch noch einen 20kg-Koffer, dann kostet es eben schnell mal 40,- Euro für den Flug beider Personen und insgesamt 80,- Euro für den einen Koffer, in Summe also 120,- Euro.

Nun bietet Ryanair auch den Flexi Plus Tarif. Hier ist u.a. die Sitzplatzreservierung (kostet gewöhnlich zwischen 1,- und 20,- Euro pro Flug und Person), die Fast Lane (macht aus persönlicher Erfahrung nur in Stansted und Lissabon Sinn) und eben ein Aufgabegepäck pro Fluggast drin.

Bei unserem letzten Flug hätte dies etwa 30,- Euro mehr gekostet. Man spart also zweimal 10,- Euro und hat die Zusatzleistungen mit dabei. Bei der Buchung jedoch kann man für alle Flugreisenden nur die selbe Reiseart wählen. So müssten also beide Flexi Plus buchen und schon wird es deutlich teurer! – Macht aber nix. Bucht einfach separat! Eine Person mit Flexi Plus inklusive 20kg-Koffer und eine einzeln im billigen Tarif mit zusätzlicher Sitzplatzreservierung. Und schon sparst Du deutlich.

Ins Aufgabegepäck darf im Prinzip erst einmal alles, was laut IATA erlaubt ist. Gewöhnliche Flüssigkeiten, Werkzeuge oder ähnliches eben. Neben den IATA-Bestimmungen hat jede Airline jedoch eigene strengere Regeln.

Informier Dich daher je nach Reiseziel insbesondere beim Transport von:

  • Bargeld
  • Lebensmitteln
  • Tierpräparate
  • Elektrogeräten und Akkus
  • Zigaretten und Feuerzeuge

 

Teure Elektrogeräte sollst oder musst Du im Handgepäck transportieren!

·         Persönlicher Gegenstand:

Viele Fluggesellschaften bieten inzwischen diesen besonderen Service an. Meist sind Maximalgrößen in Größe einer Handtasche oder einem Schuhkarton angegeben. Scoot zum Beispiel bietet sogar Langstreckenflüge ab Berlin für weit weniger als 100,- Euro nach Asien an. Der billigste Tarif beinhaltet hierbei auch nur diese kleine Tasche. Aber auch WOW Air bietet ab Deutschland die günstigsten Flüge nach Island und Nordamerika in dieser Sparvariante an. Eurowings erlaubte sogar im günstigsten Tarif gar kein Gepäckstück in die USA.

Da Ryanair seit Januar 2018 zwar nach wie vor das Handgepäck in bestimmten Maßen und maximal 10kg gratis zulässt, nun allerdings den Transport in der Kabine für wenige Euro Aufpreis nur ermöglicht, ist dieser kleine Sack oder Kiste (35 cm x 20 cm x 20 cm) gerade bei Reisen mit Laptop oder Kamera sehr wichtig. Denn solche Geräte dürfen nicht in den Frachtraum. Klingt nun kompliziert, ist es aber nicht. Ryanair erlaubt also das 10kg-Handgepäck. Dieses fliegt aber im Frachtraum mit. Alle Bestimmungen zum Handgepäck müssen dennoch erfüllt sein. Nun kommen aber zusätzlich die Bestimmungen für den Frachtraum hinzu. Daher dürfen Laptops nur in der Kabine mit!

Typisches Handgepäck im kleinen Rollkoffer

·         Handgepäck:

Je nach Tarif darf man keines, eins oder mehrere mitnehmen. Wie gerade gelesen, gibt es inzwischen auch die Variante, dass Handgepäck im Frachtraum mitfliegt.

Gewöhnlich haben fast alle Fluggesellschaften dieselben Größen: 55 cm x 40 cm 20 cm

Das Maximalgewicht ist allerdings oft sehr verschieden. Die großen Fluggesellschaften erlauben meist nur 6kg. Billigfluglinien schon mal 10kg oder easyjet gar keins! Beachtet aber auch den Sonderfall bei Kleinkindern und Babies. Hier ist trotz normalem Ticket meist nur ein geringeres Gewicht erlaubt.

Seit dem 11. September herrschen weltweit strengere Sicherheitsbestimmungen. Vorbei sind die Zeiten, als man noch einen Sixpack Bier für Malle ins Flugzeug nehmen konnte.

Maximal 1 Liter insgesamt an Flüssigkeiten ist erlaubt. Hierzu aber gleich mehr.

·         Duty-Free-Einkäufe:

Ganzwichtig ist hierbei, dass nicht jede Fluggesellschaft diese Einkäufe am Flughafen auch gratis befördert! Ryanair zum Beispiel erlaubt eine zusätzliche Einkaufstasche pro Fluggast. Andere verlangen, dass diese Einkäufe zum Gesamtvolumen bzw. -gewicht des Handgepäcks gehören.

Die Bundespolizei schreibt hierzu:

  • Seit dem 31. Januar 2014 dürfen alle an Flughäfen oder bei Fluggesellschaften erworbenen Duty-free-Flüssigkeiten als Handgepäck mitgenommen werden.
  • Hierzu müssen die Duty-free-Flüssigkeiten beim Kauf zusammen mit dem Kaufbeleg in einen Sicherheitsbeutel mit rotem Rand versiegelt und dürfen nicht vor Erreichung des Zielflughafens geöffnet worden sein.

Genug der Theorie! Warum sollte man überhaupt nur mit Handgepäck verreisen? Oder wann ist diese Nutzung zusätzlich sinnvoll?

Es gibt also eigentlich nur zwei wirkliche Gründe:

Bei unserem 24h-Trip nach Krakau ist es klar, was braucht man mehr? Viele Menschen sind damit überfordert, situationsbedingt und dennoch für alles andere halbwegs ausgestattet zu packen.

Krakau, Januar, weit im Osten – Das waren die Randbedingungen, was gehörte also in den 10kg-Koffer:

  • 2 Paar Strümpfe (Als Sicherheit dient das Paar, welches man eh schon trägt)
  • Unterwäsche, auch hier die Anzahl entspricht den Tagen plus das eine Set, was man eh trägt
  • Eine zusätzliche lange Hose zu der, die man eh schon trägt
  • 2 T-Shirts (zum tagsüber drunter tragen und abends zum Schlafen)
  • Ausgehgeeignete Oberbekleidung, zum Beispiel ein Hemd oder Poloshirt
  • Ein zusätzlicher Pullover oder Weste zu dem, was man bei Anreise trägt
  • Navihalterung, KFZ-Ladegerät, normales Handyladegerät
  • 3er Steckerverlängerung (+ je nach Reiseland einen Reiseadapter), denn oft haben Hotelzimmer gerade einmal eine Steckdose
  • Zusatzwinterbekleidung (Mütze, Handschuhe, Schal, falls nicht eh schon getragen)
  • Alle Reisedokumente als Kopie zusätzlich zu denen, die im persönlichen Gepäckstück transportiert werden.
  • Besitzt man mehrere Kreditkarten oder Ausweisdokumente, bitte die wichtigen am Mann oder Frau tragen und unwichtigere, die aber dennoch im Falle eines Verlustes hilfreich sein können, ins Handgepäck
  • Flüssigkeitsbeutel: maximal 1 Liter insgesamt mit Innenbehältern mit je maximal 100ml Inhalt
  • Reisefön und Kamm
  • Eventuelle Brillen oder Sonnenbrille
  • Medikamente
  • Ein wenig Bargeld (20,- Euro für den Notfall)
  • Evtl. andere Schuhe je nach Planung

Im Sommer tauschst Du natürlich die Wintermütze gegen die Badehose und ein leichtes Microfaser-Badetuch aus!

Der andere Fall, gerade bei Fernreisen ist der, dass man diese bis zu 12kg für Einkäufe nutzt! So wie beim BLACK FRIDAY in Florida.

So geschehen in Hongkong und den USA. Wir nutzten auf dem Hinflug nur die Maximalmenge des Aufgabegepäcks. Kameras und Laptops waren im persönlichen Gegenstand. Die 2x 10kg hingegen flogen leer, bzw. mit Wegwerfware (keine Angst, wir nehmen keinen Müll 10000km weit mit), also Zeitschriften, Knabberkram, usw., mit. Gerade die USA verleiten mit ihren bis zu 80% günstigere Markenware im Vergleich zu Europa zu großen Einkäufen. Beachte hier aber unbedingt die Zolleinfuhrbestimmungen in Deutschland! Jedes Herkunftsland hat da so seine eigenen Regeln. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass 10kg Ware etwa dem erlaubten Einkaufswert am Zoll entsprechen!

Wiederverschließbarer 1000ml Beutel mit Inhalt à maximal 100ml

Was ist aber offiziell laut Bundespolizei im Handgepäck erlaubt:

  • Flüssigkeiten im 1-Liter-Kunststoffbeutel

Wie bisher müssen Flüssigkeiten in Behältnissen mit einem Fassungsvermögen von jeweils bis zu 100 Milliliter in einem durchsichtigen, wieder verschließbaren 1-Liter-Kunststoffbeutel verpackt sein.

Pro Fluggast ist die Mitnahme von einem 1-Liter-Beutel zulässig.

Alle anderen Flüssigkeiten sind weiterhin nicht erlaubt und müssen im aufzugebenden Gepäck transportiert werden.

Weitere Informationen zur Mitnahme von Flüssigkeiten, Aerosolen und Gelen finden Sie bei den Fragen und Antworten zur Mitnahme von Flüssigkeiten im Handgepäck.

  • Medikamente, medizinische Hilfsmittel und Spezialnahrung

Seit dem 31. Januar 2014 werden Medikamente, die während der Reise benötigt und im Handgepäck transportiert werden, durch besondere Kontrolltechnik überprüft. Dies gilt auch für Spezialnahrung, etwa für Babys.

Bei Medikamenten muss der Bedarf glaubhaft nachgewiesen werden, zum Beispiel mit einem Rezept oder Attest. Jede Airline hat besondere Richtlinien.

Plant bei Umsteigeflügen genügend Zeit ein!

Aufgepasst, gerade bei Umsteigeflügen, kann es mal vorkommen, dass Du am Umsteigeflughafen erst einmal wieder aus dem Sicherheitsbereich raus bist. Folglich gelten die Handgepäckbestimmungen nach einem Einkauf von Wein oder Schnaps am Startflughafen oder in der Luft wieder von vorne!

Kurzum, gewöhnlich steigst ‚Du zum Beispiel am JFK in das Flugzeug. Du hast aber noch im Duty-Free-Shop eine Flasche Baileys gekauft. Nun fliegst Du von New York über Düsseldorf nach Berlin. Soweit so gut, hier bist Du die ganze Zeit vom JFK bis TXL im Sicherheitsbereich.

Anders sah es aber zum Beispiel beim Weiterflug von Tegel nach Saarbrücken oder sonst wo hin aus. In Tegel gehst Du erst einmal raus. Das heißt, Du musst unter Umständen sogar neu einchecken. Das Aufgabegepäck findet allerdings seinen Weg nach Saarbrücken automatisch. Nun stehst Du da mit der Flasche Baileys und willst wieder zum Weiterflug. Spätestens an der Sicherheitskontrolle wandert diese dann in den Müll. Ähnliches Problem existiert generell in Peking.

Hier findest Du die wichtigsten Richtlinien für den Transport per Luft:

Hier findest Du die gängigsten Handgepäckrichtlinien bekannter Airlines:

Tipps und Irrglauben...

Oft hört man von vermeintlichen Vielfliegern, die Billigfluggesellschaften seien die Bösen… Sie erheben horrende Zusatzgebühren für Gepäckstücke. Zusatzgewicht kostet fast so viel wie der Flug, etc.. – Völliger Quatsch!

Egal, ob teuer oder günstig. Es gibt Spielregeln und diese sind klar beschrieben. Wenn ich bei einem Ryanairflug junge Studentinnen sehe, die ihren 20kg-Wanderrucksack und drei Jutesäcke mit in die Kabine schmuggeln, reg ich mich auf! Andere bezahlen hierfür und sorgen somit für zügiges Ein- und Aussteigen. Die Gehälter sind in der Mischkalkulation bezahlbar und man braucht auch keine Angst zu haben, man würde erwischt werden.

Wenn Du nur 4,- Euro nach London zahlst, dann ist doch klar, dass Du nicht noch drei Zementsäcke Gepäck mitnehmen kannst. Nun buchst Du auf der gleichen Strecke, vielleicht sogar vom selben Flughafen mit einer großen Gesellschaft. Und zack relativiert sich das ganze. Entweder relativ günstig und nur 6kg Handgepäck oder deutlich teurer, dafür aber mit Aufgabegepäck.

Geiz ist eben nicht geil. Dir steht nur das zu, was Du zahlst! – Nutzen es zu viele aus, leiden am Ende alle!

Übrigens machen die Maße Sinn. Die Maße sind so gewählt, dass die Maximalzahl an Gepäckstücken ins Gepäckfach passen. Jeder Koffer, der plötzlich langs statt quer reinkommt, blockiert Fläche, die für andere geplant waren.

Kontrollen gibt es nur selten. Eurowings nahm es von Köln aus sehr genau, gleich mehrmals wurden die Koffer kontrolliert. Ryanair eher selten. Ehrlich gesagt bei über 40 Flügen ein einziges Mal. Aber auch zig Lufthansa- und Luxairflügen gab es selten Kontrollen.

In diesem Sinne einen guten Flug!